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Weißdorn ist Arzneipflanze des Jahres 2019

15.10.2018
Weißdorn ist Arzneipflanze des Jahres 2019 Weißdorn ist Arzneipflanze des Jahres 2019 Fotolia #152459994 © M. Schuppich
Der Weißdorn (Crataegus) ist seit vielen Jahrhunderten als Arzneimittel zur Unterstützung von Herz und Kreislauf bekannt. Nun wählte ihn der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg aufgrund seiner Bedeutung für die Pflanzenheilkunde zur Arzneipflanze des Jahres 2019.

Schon in der Antike wurden Weißdorn-Arten medizinisch gegen Durchfall, Koliken und zur Blutstillung genutzt. Verschiedene nordamerikanische Stämme kannten und schätzten bereits die herzschützende Wirkung des Weißdorns. Gerhard Madaus schrieb 1938 in seinem Lehrbuch Crataegus ausgezeichnete Wirkungen als Kardiakum zu, das „als fast unübertreffbar bei beginnender Myokardschwäche, namentlich im Alter und bei akuten Infektionskrankheiten bezeichnet werden könne.“

Seit den 1970er Jahren sind zahlreiche Anwendungen für Weißdornextrakt bekannt, wie z. B. bei Alters-, Belastungs- oder Hochdruckherz mit und ohne Schwächeerscheinungen, leichter Koronarinsuffizienz, Herzmuskelschwäche nach Infektionskrankheiten, Rhythmusstörungen, Durchblutungsstörungen des Gehirns und Herzinfarkt. 1994 nahm die Kommission E des damaligen Bundesgesundheitsamtes Weißdornblätter mit Blüten in das Anwendungsgebiet der nachlassenden Leistungsfähigkeit des Herzens entsprechend Stadium II nach NYHA in die Indikationsliste auf. 2016 stufte die deutsche Zulassungsbehörde Weißdornblätter mit Blüten als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein.

Für die Herstellung von Weißdornextrakten werden die getrockneten Blüten und beblätterten Zweige (Weißdornblätter mit Blüten) verwendet. Sie enthalten Flavonoide, oligomere Procyanidine, biogene Amine, Triterpensäure, Polysaccharide und Phenolcarbonsäuren.

Wann setzt man Weißdorn ein?

Untersuchungen konnten zeigen, dass Weißdorn die Durchblutung von Herzkranzgefäßen und des Herzmuskels verbessert. Diese Wirkung geht vermutlich auf die enthaltenen oligomeren Procyanidine zurück. Die Durchblutung der Herzkranzgefäße und des Herzmuskels wird gesteigert, indem die Produktion des gefäßerweiternden Botenstoffs Stickstoffmonoxid (NO) stimuliert und dessen Abbau gehemmt wird. Blutdruck und Herzrhythmus können ebenfalls durch die Gabe von Crataegus reguliert werden, wobei die Steigerung der Herzkraft durch die Flavonoide beeinflusst wird. Ebenso hält der Extrakt aus Weißdornblättern mit Blüten Gefäße elastisch, so wird der altersbedingte Verlust der Elastizität der arteriellen Blutgefäße gebessert. Auch werden die krankheitsbedingten Störungen der Endothelfunktion gemindert und der periphere Gefäßwiderstand gesenkt. Es kommt zu einer Steigerung der Belastbarkeit, Kurzatmigkeit bei Belastung tritt später ein. Basierend auf langjähriger Erfahrung können Weißdornblätter mit Blüten auch bei zeitweilig auftretenden nervösen Herzbeschwerden oder bei leichten Symptomen von Stress und als Schlafhilfe eingesetzt werden. Darüber hinaus ist der Einsatz von Weißdornextrakten bei funktionellen Herzbeschwerden, ersten Anzeichen einer Herzinsuffizienz und zur Vorbeugung einer Herzschwäche zu erwägen.

Aktuelle Untersuchung prüfte Sicherheit und Wirksamkeit eines spezifischen Weißdorn-Extraktes

Vor kurzem wurde im Rahmen einer Übersichtsarbeit die Wirkung eines Weißdorn-Extraktes (Weißdorn-Extrakt WS®1442) untersucht. Es zeigte sich, dass der Einsatz bei Patienten mit Herzinsuffizienz der NYHA-Klassen II bzw. III sicher und wirksam ist. Außerdem offenbarte sich, dass Weißdorn-Präparate nur wenige und vor allem vorübergehende, nicht schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen. Es gab auch keine Hinweise auf Wechselwirkungen mit ACE-Hemmern, Betablockern, Spironolacton, Digitalis oder Nitraten.

Auch einige randomisierte, kontrollierte Studien zeigen, dass WS®1442 die Herzleistung und Belastbarkeit bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Herzinsuffizienz verbessert. Selbst Ödeme, Dyspnoe und Müdigkeit kann der Extrakt reduzieren. WS®1442 verbessere die Kontraktionskraft des Herzens, verringert mögliche Beschwerden und verbessert damit die Lebensqualität von Patienten.

Eine Auswertung der Cochrane Collaboration von zehn Studien mit 855 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz (NYHA-Klassen I bis III) zeigte, dass sich unter Einnahme von Weißdorn-Präparaten nicht nur physiologische Parameter besserten. Patienten litten seltener an Symptomen wie Kurzatmigkeit und Müdigkeit. Nebenwirkungen waren leicht, selten und nicht persistierend.

Quelle: http://www.klostermedizin.de/index.php/heilpflanzen/arzneipflanze-des-jahres/67-arzneipflanze-des-jahres-2019-weissdorn-crataegus
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