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Offener Brief: Heilpraktiker sind keine Scharlatane

Als Scharlatane hat der Präsident der Landesärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, Heilpraktiker in einem Interview mit den Westfälischen Nachrichten bezeichnet.

Außerdem äußerte er, Heilpraktiker hätten neben der Homöopathie nicht „den Rest der Medizin im Blick“. Das geht entschieden zu weit. Der VKHD hat sich am 23.3.2018 mit einem offenen Brief an Herrn Dr. Windhorst gewandt:

Sehr geehrter Herr Dr. Windhorst,

mit großem Erstaunen mussten wir in den Westfälischen Nachrichten vom 20.03.2018 unter dem Titel „Konter auf die Kügelchen-Kritik“ lesen, dass Sie Heilpraktiker mit Scharlatanen gleichsetzen. Dagegen möchten wir uns mit Nachdruck verwehren!

Ein Scharlatan ist laut Duden eine Person, die „bestimmte Fähigkeiten vortäuscht und andere damit hinters Licht führt“. Somit unterstellen Sie den rund 47.000 in Deutschland praktizierenden Heilpraktikern nicht nur mangelndes Können, sondern auch noch betrügerische Absichten. Kann das wirklich Ihr Ernst sein?

Ähnlich diffamierend ist Ihre Behauptung, Heilpraktiker hätten bei der homöopathischen Therapie - im Gegensatz zu Ärzten – nicht „den Rest der Medizin im Blick“.

Es scheint Ihnen nicht klar zu sein, dass Heilpraktiker über eine fundierte medizinische Ausbildung verfügen. Um praktizieren zu dürfen, müssen sie eine Überprüfung vor dem Gesundheitsamt absolvieren. Bei dieser Überprüfung hat der angehende Heilpraktiker fundierte medizinische Kenntnisse vorzuweisen und muss belegen, dass er keine „Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung im Allgemeinen oder die Patientinnen und Patienten im Besonderen“ darstellt.

Erst kürzlich hat der Gesetzgeber die Leitlinien zur Überprüfung von Heilpraktikern präzisiert und „dabei den Schutz der einzelnen Patientin oder des einzelnen Patienten deutlicher als bisher in den Blick“ gerückt. Die Überprüfung soll „die Feststellung ermöglichen, ob die Heilpraktikeranwärterinnen und -anwärter die Grenzen ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten zuverlässig einschätzen, sich der Gefahren bei Überschreitung dieser Grenzen bewusst und bereit sind, ihr Handeln angemessen daran auszurichten. Damit dies gelingt, bedarf es sowohl einer Überprüfung der rechtlichen wie medizinischen Kenntnisse der Heilpraktikeranwärterinnen und -anwärter, aber auch einer der späteren Tätigkeit entsprechenden Demonstration von Fertigkeiten in der praktischen Anwendung dieser Kenntnisse.“ Dass dies wohl kaum ohne eine entsprechende medizinische Ausbildung möglich sein dürfte, werden Sie sicher einsehen.

Homöopathisch therapierende Heilpraktiker sind sich der Grenzen ihrer Behandlungsmethode bewusst. Sofern dies medizinisch geboten ist, überweisen sie ihre Patienten zur Mit- oder Weiterbehandlung an einen Haus- oder Facharzt. Sie haben also immer „den Rest der Medizin im Blick“.

Mit freundlichen Grüßen
Ralf Dissemond, Monika Kindt, Dr. Birgit Weyel
Vorstand VKHD e.V.

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