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Dienstag, 26 Mai 2026 08:00

Vereinte Kräfte für die Homöopathie: Neues von ECCH und ICH

Im Mai fanden im bulgarischen Sofia die Mitgliederversammlungen der europäischen und internationalen Dachverbände der nichtärztlichen Homöopath*innen statt. VKHD-Vorsitzender Ralf Dissemond berichtet von einem intensiven Austausch.

Bericht von den Mitgliederversammlungen des European Central Councils of Homeopaths (ECCH) und International Council for Homeopathy (ICH)

Die beiden Kernthemen der Mitgliederversammlungen lassen sich in zwei kurzen Sätzen zusammenfassen: „Tue Gutes und sprich darüber“, und, „Gemeinsam sind wir stark.“ Ganz so kurz soll mein Bericht natürlich nicht sein, daher gibt es jetzt die Langversion.

Der Rahmen unseres Treffens

Vom 14.-17. Mai 2026 trafen sich die Mitgliedsverbände des ECCH und ICH zu ihren im zweijährigen Rhythmus stattfinden Mitgliederversammlungen. Die Kolleginnen und Kollegen des bulgarischen Verbands hatten dafür ein sehr angenehmes, und leicht zu erreichendes Hotel im Zentrum Sofias gefunden und gute Bedingungen für unser Event aushandeln können. Einige Vertreter*innen konnte leider nicht persönlich dabei sein, und waren über Zoom zugeschaltet.

Die teilnehmenden Verbände setzen sich, was den ICH betrifft, sowohl aus den Mitgliedsverbänden des ECCH, also Europa, als auch aus Vertretern Neuseelands, Nordamerikas, Afrikas, Japans und Hong Kongs zusammen. Daher ergeben sich für ähnliche Aufgaben etwas unterschiedliche Ansätze. Auch die Adressaten sind natürlich dementsprechend unterschiedlich. Die Ziele sind aber bei beiden Organisationen die Stärkung der Homöopathie, die Stärkung der Stellung homöopathisch arbeitender Therapeut*innen, und die Verbesserung der öffentlichen Wahrnehmung unserer Arbeit.

International Council for Homeopathy (ICH)

Start war am 14. Mai um 9:00 Uhr mit dem ICH. Neben den notwendigen Vereinsformalitäten, war der Relaunch der ICH Website ein zentrales Thema an diesem Tag. Als Eintrittspforte zur öffentlichen Wahrnehmung ist es wichtig, sie von Zeit zu Zeit zu überarbeiten. Im Vorfeld hatte dazu bereits eine Arbeitsgruppe erste Vorschläge erstellt, und Remy Schnell, unser Kollege aus der Schweiz, hatte begonnen, diese umzusetzen. Vor allem die bisherige Farbgestaltung stand auf dem Prüfstand, und auch die Struktur der Website sollte übersichtlicher und ansprechender werden. Ein geschützter Mitgliederbereich, in dem die wichtigsten Dokumente zu finden sind, stand ebenfalls auf der Wunschliste. Die Besucher der ICH Website sollen zukünftig auch schnell erkennen können, welche Verbände Mitglied im ICH sind. Nach eingehenden Diskussionen wurden die weiteren Schritte beschlossen, und sollen in den kommenden beiden Monaten von Remy umgesetzt werden.

Ein weiters Projekt, das zurzeit vom ICH in Zusammenarbeit mit Alexander Tournier, der auch beim Homeopathy Research Institute (HRI) aktiv ist, entwickelt wird, ist eine KI-unterstützte Falldokumentation. Ziel ist es, mit Hilfe der KI schnell und einheitlich Fälle so aufzubereiten, dass sie in Wissenschaftsjournalen veröffentlicht werden können. In der aktuellen Testphasen geht es vor allem darum, die Schwächen des Programms zu finden und zu beseitigen. In der Endversion soll es dann möglich sein, mit wenigen Klicks, und unabhängig von der Sprache der/des Therapeut*in, Fallverläufe nach einem wissenschaftlich anerkannten Schema zu dokumentieren. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend, und das Team arbeitet intensiv an der Weiterentwicklung der KI.

Weiterhin diskutierte die Gruppe, wie wir uns selbst als Homöopath*innen, homöopathisch arbeitenden Therapeutinnen und Therapeuten, beschreiben. Das ist nicht nur intern, sondern auch für unsere Öffentlichkeitsarbeit von Bedeutung. Aspekte die dabei eine Rolle spielen sind beispielsweise unsere Grenzen in der Ausübung der Homöopathie, unsere Ausbildung, unsere ethische Haltung gegenüber den Patient*innen, und unsere Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen. Die Hong Kong Association of Homeopathy ist dabei, entsprechende Standards zu entwickeln. Dieses Vorhaben muss im Hinblick auf die besondere Situation unserer Kolleginnen und Kollegen unter dem Einfluss von China gesehen werden. Um eine Anerkennung im chinesischen Gesundheitssystem zu erlangen, sind Standards unerlässlich. Die bereits vom ECCH entwickelten Dokumente zu den aufgezählten Bereichen bieten eine gute Grundlage für die weitere Entwicklung der Standards. Diese Diskussionen wurden auch am zweiten Tag der Mitgliederversammlung fortgeführt.

Insgesamt war die Atmosphäre während des ICH Meetings sehr entspannt. Die Diskussionen wurden engagiert und mit großem Respekt geführt. Der Wille, die Homöopathie und unsere gemeinsame Arbeit voranzubringen, war stets spürbar. Es wurde von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmer als wertvoll und notwendig empfunden, sich zumindest alle zwei Jahre persönlich zu treffen.

European Central Council of Homeopaths

Nach einer zweistündigen Mittagspause, die ICH- und ECCH-Meeting trennten, startete der ECCH mit seiner Mitgliederversammlung am Donnerstagnachmittag. Im ersten Block waren vor allem die Wahlen der/des Vorsitzenden und der/der stellvertretenden Vorsitzenden wichtig. Nach dem Tod des bisherigen Vorsitzenden Michael Smith im April dieses Jahres, mussten diese Positionen neu besetzt werden. Michael selbst hat in seiner gewissenhaften, und stets dem Wohl des Verbands verpflichteten Art, noch an der Auswahl möglicher Kandidaten mitgewirkt. Unbenommen davon, wurden Zofia Dymitr, die bis dato stellvertretende Vorsitzende, und Remy Schnell aus der Schweiz, als mögliche Kandidaten von den Mitgliedern vorgeschlagen – und auch gewählt. Zofia übernimmt jetzt die Position der Vorsitzenden, und Remy ist neuer stellvertretender Vorsitzender des ECCH. Wir gratulieren Beiden zu ihrer Wahl, und wünschen ihnen viel Kraft bei den bevorstehenden Aufgaben.

Gemeinsam sind wir stark!

Im Anschluss an diesen wichtigen Teil, gab es am späten Nachmittag eine gemeinsame ECCH- und ICH-Sitzung. Dr. Dora Pachova, die beim ECH, European Committee for Homeopathy, dem europäischen Dachverband homöopathischer Ärzte, für die Ausbildung zuständig ist, und in Sofia lebt, war der Einladung der beiden Verbände gerne nachgekommen. Dora berichtete in ihrer Präsentation von verschiedenen WHO-Veranstaltungen, zu denen sie eingeladen war. Dabei betonte sie immer wieder, wie sehr sie kämpfen musste, um der Homöopathie überhaupt eine gewisse Aufmerksamkeit zu verschaffen. Obwohl diese Therapieform weltweit zu einer der am weitesten verbreiteten gehört, wird sie offensichtlich von offizieller Seite gerne vernachlässigt. Wir waren alle sehr beeindruckt von ihrem Einsatz und ihrer Ausdauer, die Homöopathie zu vertreten, und dafür auch häufig kurzfristig zu reisen. Mittlerweile hat sie eine Tür in der WHO für die Homöopathie geöffnet, die jetzt weiter offengehalten und vergrößert werden will. Nebenbei sei noch bemerkt, dass sich in den vergangenen Jahren ein guter und vertrauensvoller Austausch zwischen dem ECH und dem ECCH entwickelt hat. Das zeigt auch die Tatsache, dass uns Jean-Pierre Jansen, der ECH-Vorsitzende, eine Videobotschaft zu unserer Mitgliederversammlung schickte. Darin wertschätzte er noch einmal die gute, und von gegenseitigem Respekt getragene Zusammenarbeit mit Michael, und bekräftigte seinen Wunsch, dass wir diese Arbeit in gleicher Weise auch in Zukunft fortsetzten.

Nach dem Ende dieser Sitzung waren alle Teilnehmenden von unseren bulgarischen Kolleg*innen zu einem gemeinsamen Abendessen eingeladen. Eine gute Gelegenheit zum persönlichen Austausch und Kennenlernen.
Der nächste Tag begann mit einer weiteren Videobotschaft. Dieses Mal von Andreas Bjorndal, einem der Gründungsmitglieder des ECCH. Neben der historischen Entwicklung des ECCH, und später aus dem ECCH heraus des ICH, machte Andreas in seinem Video auf die Bedeutung der Verbände in Europa zur Stärkung der Homöopathie aufmerksam.

Öffentlichkeit und Vernetzung

Nach dieser Einleitung folgten dann die Berichte der Vorstände inklusive des Kassenberichtes, sowie Berichte über Verbände, wie beispielsweise die ANME, Association for Natural Medicine in Europe, bei denen der ECCH Mitglied ist.

Danach gab es, wie schon beim ICH, eine Diskussion über zukünftige Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung. Die ECCH-Website ist überarbeitungsbedürftig, und Remy Schnell hat sich auch hier bereit erklärt, sein Wissen zur Verfügung zu stellen. Vielen Dank dafür!

Sehr erfreut waren wir über den Mitgliedsantrag des polnischen Homöopathen-Verbandes, der sowohl Ärzte als auch Nicht-Ärzte als Mitglieder hat. Dieser Verband ist jetzt als „Anwärter auf Mitgliedschaft“ in den ECCH aufgenommen worden.

Die Zukunft

Miranda Ruchtie, die ECCH-Frau für Öffentlichkeitsarbeit, führte mit den Teilnehmer*innen eine Gruppenarbeit durch, die „Der Problembaum“ heißt. Dabei sollten die Anwesenden zu jedem Bereich des Baumes, Wurzel, Stamm, Blätter und Früchte einen Kernsatz erarbeiten, den sie für besonders wichtig erachten. Das Ergebnis dieser Arbeit wird im kommenden „ECCH-Café“, vorgestellt, und soll bei der Ausrichtung der Öffentlichkeitsarbeit helfen. Zu dieser Arbeit waren auch die ICH-Mitglieder eingeladen, die noch nicht ihre Heimreise angetreten hatten.

Nach dreieinhalb Tagen Sitzungsmarathon beendeten wir die ECCH- Mitgliederversammlung am Sonntagmittag mit einer Abschlussrunde. Das persönliche Treffen wurde auch hier als besonders wertvoll und bereichernd angesehen. Viele der Verbandsvertreter*innen sahen sich zum ersten Mal persönlich. Die gemeinsame Arbeit, aber auch der persönlichen Austausch während der Pausen in unterschiedlicher Besetzung, verbinden, und stärken das Gemeinschaftsgefühl. Herzlichen Dank noch einmal an unsere bulgarischen Gastgeber für ihre tolle Vorbereitung, und die Einladung zum gemeinsamen Abendessen am Freitag.

Ralf Dissemond

 

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