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„Homöopathie ist ein wichtiger Beitrag zu gesunden Lebensmitteln!“

VKHD-Beirat Helmut Schnellrieder im Gespräch mit IG FÜR-Gründer und -Vorstand Georg Sedlmaier.

1997 gründete der geborene Niederbayer unter dem Motto «Lebensmittel sind Mittel zum Leben! Und jeder Einkauf ist Ihr Stimmzettel!» die IG FÜR. Seitdem ist er ihr Gesicht und trägt als ihr Vorsitzender die Themen unermüdlich in die Öffentlichkeit. Darüber hinaus engagiert er sich seit 30 Jahren ehrenamtlich für die SOS-Kinderdörfer und ist als Autor und Herausgeber tätig. Zuletzt veröffentlichte er den Sammelband «Vielfalt statt Einfalt – Leben und Essen im Einklang mit der Natur». Auf schriftliche Empfehlung von Ministerpräsident Markus Söder erhielt Georg Sedlmaier 2019, aus den Händen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, das Bundesverdienstkreuz am Bande, für sein vielfältiges soziales und gesellschaftliches Engagement. 

 
Helmut Schnellrieder (HS): Lieber Herr Sedlmaier, wir lernten uns 2016 bei den Traunsteiner Homöopathie-Tagen kennen. Wie kam Ihr Kontakt zur Homöopathie bzw. zum Organisator Josef Graspeuntner zustande?

Georg Sedlmaier (GS): Meine sehr aktive Nichte, Monika Jäger (Heilpraktikerin und Homöopathin), hat die Veranstaltung mit organisiert. Sie ist Mitglied im Arbeitskreis klassische Homöopathie im Kompetenz-Zentrum Traunstein. 2016 hat sie den Kontakt zum Organisator Josef Graspeuntner, dem Gründer des Homöopathie Haus® in Traunstein, hergestellt. Sehr gerne bin ich seiner Einladung nachgekommen, einen Vortrag bei den Traunsteiner Homöopathie-Tagen zu halten.

HS: Haben Sie selbst in ihrem Leben Erfahrung mit einer homöopathischen Behandlung gemacht?

GS: Unsere älteste Tochter Bettina ist eine erfahrene Heilpraktikerin und seit vielen Jahren im namhaften Münchener Pettenkofer-Institut aktiv. Bettina konnte unserer Familie aus ihrem vielfältigen Repertoire des Öfteren wirksam beistehen. Das geht von Ernährungslehre aus der TCM bis Homöopathie. Bestimmt sprechen meine Nichte Monika und sie sich auch ab, wenn es um Homöopathie geht.

HS: Die Europäische Union, die Schweiz und einige Parteien in Deutschland (z.B. Grüne, CSU) tun viel dafür, die Komplementärmedizin, darunter Homöopathie, in der Anwendung bei Mensch, Tier und Pflanze zu fördern. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

GS: Es ist eine gute Entwicklung, wenn nicht nur Zusatzstoffe, Geschmacksverstärker und Pestizide so weit wie möglich aus den Lebensmitteln verschwinden, sondern auch die Haus- und Nutztiere mit möglichst wenig Chemie behandelt werden. Der Einsatz von Homöopathie wirkt sich offensichtlich auch positiv auf das Überleben der Kälber aus und es muss weniger Antibiotika-Milch vernichtet werden. Auf diese Weise leistet die Homöopathie einen wichtigen Beitrag bei der Erzeugung gesunder Lebensmittel. Es ist ein starkes Signal, wenn in der EU und in Ländern Europas die Forschung in der Komplementärmedizin gefördert, und hier Standards gesetzt werden.

HS: Seit Anfang der 2000er Jahre steht die Homöopathie verstärkt im Brennpunkt der medialen Kritik. Ihr wird unterstellt, wirkungslos (ein Plazebo) zu sein und ihren Anwender*innen, entweder einem Schwindel aufzusitzen oder gar Scharlatanerie zu betreiben. Gleichzeitig bestätigen Patient*innen in Umfragen immer wieder, wie wichtig ihnen die Homöopathie als Therapieoption ist, auch weil sie gute Erfahrungen damit gemacht haben. Trotzdem reißt die o.g. Kritik nicht ab. Wie würden Sie diesen Kritikern begegnen?

GS: In größtmöglicher Sachlichkeit positive Erfolge immer wieder mit Ausdauer und Mut darstellen, denn «Klappern gehört zum Handwerk». Mit Humor und Wahrheitsliebe nach Mitstreitern suchen und diese für die Sache gewinnen. Die Securvita Krankenkasse hat 2020 doch eine sehr aussagekräftige Untersuchung mit 15.700 Versicherten gemacht, die überaus positiv für die Homöopathie ausgefallen ist. Wie ich von ihnen erfuhr, arbeiten von insgesamt ca. 70.000 Milchvieh-Betrieben in der BRD etwa 20.0001 mit Homöopathie. Die Berchtesgadener Milchwerke und zwei Ihrer Kolleginnen bieten sogar Schulungen für Landwirte an. Das ist ein großer Erfolg. Solche positiven Beispiele darf und muss man ganz bewusst als Marketing nutzen. Bitten Sie außerdem Ihre wieder genesenen und glücklichen Patienten darum, deren Erfahrungen mit ihrer homöopathischen Behandlung in einem offenen Patientenbuch2 einzutragen – oder in anderen modernen Medien. Ich habe als zufriedener Patient immer sehr gerne ins Patientenbuch geschrieben.

HS: Eine gesunde Lebensweise unserer Patient*innen – worin die Ernährung eine zentrale Rolle spielt – ist ein wesentlicher Pfeiler unseres Behandlungskonzeptes. Was hier versäumt wird, kann durch Behandlung alleine nicht aufgefangen werden. Was macht für Sie/die IG FÜR eine gesunde Ernährung aus?

GS: Die IG FÜR...gesunde Lebensmittel e. V. nennt drei Säulen der gesunden Lebensweise:

  • gesunde Ernährung
  • positives Denken
  • angemessene und altersgerechte Bewegung.

Die uns von unserem Schöpfer gegebene «somatische Intelligenz» (hören, was der Körper braucht) ist dringend zu beachten. Darin müssen sich viele von uns erst wieder schulen, denn durch Hühnersuppe ohne Huhn, Rindfleischsuppe ohne Rindfleisch, Erdbeeraroma ohne Erdbeeren etc. wird der natürliche Appetit irritiert und fehlgeleitet. Wir essen dann mehr, als wir brauchen, und wir essen Dinge, die uns nicht richtig ernähren. Hier möchte ich auf das Buch des IG FÜR-Mitglieds Thomas Frankenbach «Somatische Intelligenz» verweisen. Doch Sie sehen, dass wir neben der Ernährung auch unsere Gedanken und eine ausgewogene Bewegung als Pfeiler betrachten. Dauerhafter gedanklicher und emotionaler Stress schaden uns, und auch zu wenig oder übermäßige Bewegung sind nicht gut für uns. Hier gilt es für jeden von uns, seine individuelle Balance zu finden.

HS: Sie haben in großen Einzelhandelsketten Märkte aufgebaut und geleitet und wachsenden Unternehmen mit Ihrer Expertise dabei geholfen, auf die Beine zu kommen. Welche Aufgaben würden Sie als die größten Herausforderungen in Ihrem Berufsleben bezeichnen?

GS: Als erstes wäre da der bereits «totgesagte» 4.800 m2 große Feneberg Verbrauchermarkt in Memmingen/Allgäu. Ihn zu aktivieren, war eine große Herausforderung. Dazu war es zuerst nötig, die entmutigten Mitarbeiter*innen zum Teamwork zu motivieren. Der Markt hatte zu der Zeit mehr Mitarbeiter als Kunden. Wir haben ihn aus Kundensicht analysiert und nach und nach kundenfreundlich gestaltet. Frische und Sauberkeit mussten unbedingt auf Vordermann gebracht und die Betriebsblindheit behoben werden. Seit 35 Jahren läuft der Markt nun erfolgreich!

Als zweites Beispiel möchte ich die Firma HAWEGE/tegut...gute Lebensmittel in Fulda anführen. 1990 wurde ich dort als Vorstandsmitglied berufen. Neben vielen anderen Aufgaben wollte ich als Bio-Pionier den Anteil biologischer Lebensmittel erhöhen. Zu der Zeit war im Sortiment nur 1 Promille Bio-Anteil und man dachte darüber nach, das Bio-Geschäft aufzugeben, weil das angeblich niemand kaufen wollte. Zuerst musste ich die Mitarbeiter davon überzeugen, denn ohne die geht es nicht. Die ersten Mitarbeiterinnen haben die Lebensmittel dann zuhause verwendet, ohne der Familie zu sagen, dass es Bio sei, denn das wurde damals noch kritisch gesehen. Den Familien schmeckte es immer besser und das sprach sich im Kollegenkreis und bis zu den Kunden herum. Nach 19 Jahren, bei meinem Rentenbeginn, war der Bio-Anteil dann schon 25% und jetzt sind es 30% im Lebensmittelbereich des Supermarkts. In Europa liegt dieser Anteil übrigens unter 9%.

HS: Sie haben in Ihrem Leben viele Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und sozialen Projekten kennengelernt. Wie schaffen Sie es, diese Menschen von Ihren Ideen zu begeistern?

GS: Ich schaffe es seit 35 Jahren mit Freude, Höflichkeit und guten Botschaften, auf viele wichtigen Persönlichkeiten zuzugehen. Es geht dabei nicht um mich persönlich, sondern vielmehr um unsere Botschaft für die Gesundheit und die Lebensfreude vieler Mitmenschen. Oft bin ich der Einzige bei großen Veranstaltungen, der sich mit einer eigenen Botschaft in Form einer Mappe und handschriftlichem Brief vorbereitet hat, und so aktiv auf diese Menschen zugehen kann. Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller überraschte mich übrigens vor drei Jahren in einer öffentlichen Versammlung mit der Aussage: Er habe von Georg Sedlmaier «Die Kunst der kleinen Schritte gelernt». Dieser für mich selbst überraschende Satz wurde schließlich zum Titel eines meiner Bücher.

HS: Was können wir gemeinsam tun, um in der Bevölkerung das Bewusstsein für den Wert gesunder Lebensmittel zu fördern?

GS: Einfach zusammen mit der IG FÜR Bewusstsein bilden für den Wert gesunder «Mittel zum Leben». Namhafte Firmen wie REWE, EDEKA, tegut... oder Feneberg bieten immer mehr natürliche Handelseigenmarken ohne Fremdstoffe an. Mit regionalen Produkten, also kurzen Transportwegen, werden heimische Landwirte, Obst- und Weinbauern unterstützt. Dies sollten wir gemeinsam nach außen tragen.

HS: Ein zentraler Bestandteil Ihres beruflichen und privaten Wirkens scheint darin zu bestehen, Menschen zu selbstständigem Handeln zu ermächtigen. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht, Menschen einen Vertrauensvorschuss zu geben und sie zu ermutigen, ihre eigenen Wege zum Ziel zu finden?

GS: Zunächst einmal eine Erfahrung, die mir selbst zuteil wurde. Der SOS-Kinderdorf-Gründer Hermann Gmeiner gab mir in Kempten in seinem letzten Lebensjahr einen großen Vertrauensvorschuss mit seinem Auftrag: "Du machst für mich ein SOS Kinderdorf – hast Du mich verstanden?" Ich habe dies natürlich nicht verstanden, aber einfach angefangen.

Nun gibt es mit einem Sammelergebnis von ca. 1.300.000 € sogar 11 SOS-Kinderdorf-Familienhäuser weltweit und 240 SOS-Paten. Das kann dabei herauskommen, wenn Vertrauen auf fruchtbaren Boden fällt.

HS: Welche Entscheidungen aus der Politik würden Sie für sinnvoll erachten, um in der Erzeugung gesunder Lebensmittel einen weiteren spürbaren Schritt nach vorne zu machen?

GS: Aufgaben der Politik sind aus meiner Sicht: Ernährungslehre schon in Kindergärten und Schulen in praktischer und einfacher Form, keine industrielle Massentierhaltung (Tierwohl fördern), wahre und gerechte Preise für Lebensmittel sowie das Ergänzen bzw. Ersetzen chemischer Medikamente mit Naturmedizin, wie z.B. Homöopathie, wo immer das möglich ist.

Wenn wir einfach so weiter machen wie bisher, bekommen wir echte Probleme. Christine Lagarde (Präsidentin der Europäischen Zentralbank) sagte schon im Oktober 2017: "Wenn wir jetzt nichts gegen den Klimawandel unternehmen, werden wir in 50 Jahren getoastet, geröstet und gegrillt". Zitat aus dem Buch: "Wenn nicht jetzt, wann dann?" von Harald Lesch.

HS: Lieber Herr Sedlmaier, zum Schluss möchte ich noch eine Bitte an Sie herantragen. Wir würden uns sehr darüber freuen, wenn Sie und die IG FÜR mit uns gemeinsam den Wert und den Nutzen homöopathischer Arzneien bei der Erzeugung gesunder Lebensmittel noch bekannter machen. Die Erfolge unserer Kolleg*innen in der Nutztierhaltung sprechen eine deutliche Sprache. Wir sind davon überzeugt, dass wir in dem Bereich einen wichtigen Beitrag leisten können und möchten dies den Erzeugern, dem Handel und den Verbrauchern näherbringen.

GS: Am 22./23. September 2021 veranstaltet die IG FÜR in Berlin ein Symposium zum hochaktuellen Thema «Wahre Preise für Lebensmittel». Sie sind herzlich eingeladen, als Heilpraktiker und Homöopathen zu uns zu kommen und Kontakte zu Entscheidern aus der Wirtschaft zu knüpfen. Das persönliche Gespräch ist durch nichts zu ersetzen. Mit dem, was Sie mit der Homöopathie zu bieten haben, können Sie selbstbewusst und mit Offenheit auf die Menschen zugehen.

HS: Diese Einladung werden wir gerne annehmen. Ich bedanke mich für das interessante und inspirierende Gespräch.

 

1 Quelle: Süddeutsche Zeitung Wohlfühlen, Ausgabe 4.2020/Birgit Gnadl (S. 34-35)
2 Anmerkung: Auf der Webseite des VKHD besteht dazu bereits eine Möglichkeit: https://www.vkhd.de/patienten/erfahrungsberichte-von-patienten

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