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Placebos wirken auch transparent verabreicht – wenn sie erklärt werden

Placebos wirken auch transparent verabreicht – wenn sie erklärt werden Placebos wirken auch transparent verabreicht – wenn sie erklärt werden Fotolia #100571363 © lisa_16

Bei manchen Beschwerden wirkt ein offen verabreichtes Placebo genauso gut wie ein Placebo, das als Täuschung abgegeben wird. Eine wichtige Rolle spielen hierbei offensichtlich die begleitenden Informationen, wie ein Wissenschaftlerteam nun publizierte. 

Schon länger ist bekannt, dass die erfolgreiche Behandlung bestimmter körperlicher und psychischer Beschwerden zu einem bedeutenden Anteil durch den Placeboeffekt erklärt werden kann. Doch wie lässt sich dieser Effekt nutzen, ohne dass die Patienten getäuscht werden? Neueste empirische Forschung zeigt, dass der Placeboeffekt selbst dann bei körperlichen Beschwerden wie chronischen Rückenschmerzen, Reizdarmsyndrom, episodischer Migräne und Rhinitis wirkt, wenn die Scheinmedikamente offen verabreicht werden, der Patient also weiß, dass er ein Placebo bekommt.

Bisher lagen jedoch keine Untersuchungen vor, die die Wirkung einer offenen mit einer „versteckten“ Placebogabe verglichen. Forschende der Universität Basel mit Kollegen der Harvard Medical School haben dies nun erstmals in Angriff genommen. Dazu führten sie eine experimentelle Studie mit 160 gesunden Probanden durch, denen am Unterarm ansteigende Hitze mittels einer Wärmeplatte zugeführt wurde. Die Studienteilnehmer sollten den Temperaturanstieg manuell stoppen, sobald sie die Hitze nicht mehr aushalten. Außerdem sollten sie die Schmerzstärke auf einer Skala von 0 bis 100 bewerten.

Creme zur Schmerzlinderung

Danach sollte der Schmerz mit einer Creme gelindert werden. Hier wurden die Probanden in vier Gruppen aufgeteilt. Den Teilnehmern der ersten Gruppe wurde mitgeteilt, dass sie eine Schmerzcreme mit dem Wirkstoff Lidocain erhalten, bei der es sich aber in Wirklichkeit um ein Placebo handelte. Die zweite Gruppe erhielt eine Creme, die deutlich mit „Placebo“ beschriftet war. Diese Gruppe wurde zusätzlich eine Viertelstunde lang über den Placeboeffekt, sein Zustandekommen und seine Wirkungsmechanismen informiert. Die dritte Gruppe erhielt eine offene Placebo-Creme, jedoch ohne weitere Erläuterungen dazu. Die vierte Gruppe erhielt keine Schmerzcreme.

Ergebnisse

Die Probanden der beiden ersten Gruppen berichteten von einer signifikanten Abnahme der Schmerzintensität und -unannehmlichkeit. In der dritten und vierten Gruppe berichteten die Probanden von deutlich intensiverem und unangenehmerem Schmerz. Die Forscher führen das auf die fehlenden Erläuterungen zum Placeboeffekt zurück. Sie gehen davon aus, dass die begleitenden Informationen und die Kommunikation die Placebo-Wirkung positiv beeinflussen.

Die offene Verabreichung von Placebos löse das Problem der Patienten-Täuschung, das bei einer intransparenten Gabe von Scheinmedikamenten gegeben sei. Eine offene Abgabe biete neue Möglichkeiten, den Placebo-Effekt auf ethisch vertretbare Weise zu nutzen

Studie:

Cosima Locher, Antje Frey Nascimento, Irving Kirsch, Joe Kossowsky, Andrea Meyer, Jens Gaab

Is the rationale more important than deception? A randomized controlled trial of open-label placebo analgesia. PAIN (2017), doi: 10.1097/j.pain.0000000000001012

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