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Rezension von HaJo Fritschis „Mission Globukalypse“

16.08.2019
HaJo Fritschis „Mission Globukalypse HaJo Fritschis „Mission Globukalypse Fotolia # 164084825 © Tom Bayer
Nach dem viel gelesenen, weitgehend satirischen Buch „Angst vor Globuli“ hat der Autor HaJo Fritschi nun eine zweite Auseinandersetzung mit den Homöopathie-Gegnern vorgelegt. Jörg Wichmann hat das Buch für Sie gelesen und rezensiert.

"Dieses Buch ist sachlich und ernsthaft und beschäftigt sich Punkt für Punkt mit dem Welt- und Menschenbild der Homöopathie-Gegner sowie ihren einzelnen Vorwürfen und Behauptungen.
Für den Laien erklärt das erste Kapitel zunächst, was die Homöopathie ist und wie ihre geschichtliche Entwicklung verlief, kurz und griffig, damit auch die einen Einstieg finden, die sich nicht schon auskennen.

Anschließend werden die Homöopathie-Gegner, die sich selbst falsch als „Skeptiker“ bezeichnen, und ihre Verflechtungen in verschiedenen Organisationen genau benannt und auch deren Vorgeschichte genauer unter die Lupe genommen.
Dabei wird das menschenverachtende Weltbild dieser Gruppierungen (der Mensch als Maschine) deutlich herausgearbeitet und auch auf wichtige interne Kritiker der „Skeptiker“-Organisationen verwiesen, zum Teil namhafte Wissenschaftler, die sich inzwischen abgewandt haben, weil ihnen der dort herrschende Dogmatismus zuwider war.
Die Gedankenwelt und ideologische Motivation der Homöopathie-Gegner wird den Leser*innen dabei nahegebracht und verständlicher. Das ist ein wichtiger Punkt, denn vielen Homöopathie-Praktizierenden und -Interessierten ist nicht klar, was diese Menschen eigentlich umtreibt.

Fritschi versucht sich möglichst weitgehend in die Gegner der Homöopathie hineinzudenken und die Sache auch aus ihrer Perspektive zu betrachten, ihre Kritiken zu verstehen, Gedankengänge nachzuvollziehen. Er macht offene Gesprächsangebote und kommt den sogenannten „Skeptikern“ argumentativ immer wieder weit entgegen, manchmal auch an Stellen, die ich sachlich unbegründet finde. Aber letztlich ist es wichtiger, miteinander ins Gespräch zu kommen, als bestimmte Positionen zu halten. Das Ziel dieses Buches ist es, eine Brücke zu schlagen, Fronten aufzuweichen und – sofern möglich – zu einer Lösung zu kommen, mit der beide Seiten leben könnten.

Homöopathie-Kritiker oder doch eher Homöopathie-Gegner

Ich finde HaJo Fritschis Ansinnen lobenswert und der homöopathischen Haltung sehr angemessen. Störungen oder Angriffe sind immer Symptome für etwas und müssen nicht bekämpft, sondern im Kontext begriffen werden. Wie eine Krankheit haben sie uns etwas zu sagen, das wir verstehen müssen, bevor wir gesund werden können.

Allerdings halte ich es für einen Irrtum zu glauben, dass wir es hier mit Kritikern zu tun haben, die an der Homöopathie etwas verändern oder verbessern oder mit uns ins Gespräch kommen möchten. Ein Literaturkritiker ist jemand, der viel liest, sich gut auskennt und sich dann differenziert zur Literatur äußert, aber nicht jemand, der Lesen hasst und die Literatur abschaffen will. Insofern spreche ich nicht von Homöopathie-Kritikern, sondern von Homöopathie-Gegnern. Und ich habe bisher noch keine Anzeichen einer ernsthaften Gesprächsbereitschaft bemerkt. Es geht diesen Leuten ums Zerstören und nicht um Austausch oder Verbesserung.
Dennoch hoffe ich, dass Fritschis Buch die von mir für unwahrscheinlich gehaltene Wirkung haben und dass ein sachliches und respektvolles Gespräch entstehen möge, in welchem echte Argumente ausgetauscht werden.

Originelles Konzept

Interessanterweise ist das Buch so gestaltet, dass es wie ein Anti-Homöopathie-Buch wirkt. Auf dem Cover hält eine finster dreinblickende Frau uns abwehrend die Hand entgegen und hält eine Tafel, auf der steht: Homöopathie ist Bullshit. Und die Rückseite wird durch ein Zitat von Natalie Grams geschmückt. Auf diese Weise besteht eine reelle Chance, dass auch ausgewiesene Gegner unserer Heilkunst dieses Buch in die Hand nehmen und zumindest aufschlagen würden – ein originelles Konzept.

Überhaupt finde ich das, was HaJo Fritschi macht, mit dem Wort originell am besten beschrieben. Sei es das satirische Büchlein „Angst vor Globuli“, sei es die Video-Replik auf Böhmermanns Ausfälligkeiten oder eben das vorliegende neue Buch. Über Geschmack und Humor lässt sich streiten, auf jeden Fall aber hat hier ein Kollege versucht, in der allgemeinen Krisenstimmung neue Wege zu beschreiten. Und genau das brauchen wir. Wir wissen nicht, was uns am Ende hilft, aber wir wissen, dass unsere bisherigen Strategien uns nicht weitergebracht haben. Also brauchen wir Mut zum Risiko, zum Experiment und dazu, uns auch mit völlig neuen Ideen und Ansätzen zu exponieren. HaJo Fritschi hat diesen Mut, und dafür bin ich ihm sehr dankbar."

Jörg Wichmann

Bibliografie

HaJo Fritschi: Mission Globukalypse. Warum Homöopathie aus der Medizin verschwinden soll. Fragen, Antworten und ein Lösungsvorschlag. Verlag BoD: Norderstedt, 2019. ISBN 978-3-7386-4031-Paperback, 240 S., 19,95 Euro.
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