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Gerichtsurteil zu Eigenbluttherapie durch Heilpraktiker*innen

16.06.2021
Gerichtsurteil zu Eigenbluttherapie durch Heilpraktiker*innen Gerichtsurteil zu Eigenbluttherapie durch Heilpraktiker*innen Fotolia © AA+W # 140260471
Im April musste das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen (OVG) in Münster über drei Berufungsverfahren (Az. 9 A 4073/18; 9 A 4108/18; 9 A 4109/18) von Heilpraktikern entscheiden, die im Zusammenhang mit unterschiedlichen Formen der Eigenbluttherapie standen. Das OVG hat die ursprünglichen Entscheidungen des Verwaltungsgerichts Münster bestätigt, gegen die betroffene Heilpraktikerinnen bzw. Heilpraktiker Berufung eingelegt hatten.


Das OVG Münster entschied, dass die Bezirksregierung Münster den Heilpraktikern zu Recht untersagt habe, ihren Patienten Blut zur Herstellung von Eigenblutprodukten zu entnehmen. Es hat damit die erstinstanzlichen Urteile des Verwaltungsgerichts Münster bestätigt.

Geklagt hatten Homöopath*innen aus Borken, Nordwalde und Senden. Sie entnehmen im Rahmen der Eigenbluttherapie den Patient*innen eine geringe Menge Blut und injizieren es ihnen nach Zusatz eines Sauerstoff-Ozon-Gemisches oder nach der Mischung mit homöopathischen Fertigarzneimitteln zurück. Mit arzneimittelrechtlichen Ordnungsverfügungen hatte die Bezirksregierung Münster ihnen wegen des Arztvorbehalts die Blutentnahme zu diesen Zwecken untersagt. Die dagegen gerichteten Klagen wies das Verwaltungsgericht Münster ab. Auch die Berufungen der Heilpraktiker hatten keinen Erfolg.

Zur Urteilsbegründung hat die Vorsitzende des 9. Senats ausgeführt: Die Entnahme einer Blutspende darf nach dem Transfusionsgesetz nur durch einen Arzt oder unter Verantwortung eines Arztes erfolgen, woran es hier fehle. Der gesetzliche Begriff der Blutspende erfasst neben der Entnahme von Fremdblut auch die von Eigenblut. Der Sinn und Zweck des Gesetzes, für eine sichere Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen zu sorgen, greift auch bei Eigenblutspenden, und zwar unabhängig davon, ob nur eine geringe Menge entnommen wird. Die Heilpraktiker können sich auch nicht auf die Ausnahmeregelung für homöopathische Eigenblutprodukte berufen. Denn um solche gehe es hier nicht. Homöopathisch ist nicht jedes Eigenblutprodukt, das durch einen Heilpraktiker hergestellt wird. Der Begriff ist unter Heranziehung des Arzneimittelgesetzes zu bestimmen und setzt deshalb voraus, dass das Eigenblutprodukt in einem homöopathischen Zubereitungsverfahren hergestellt wird, das im Europäischen Arzneibuch oder in einem der offiziell gebräuchlichen amtlichen Arzneibücher (Pharmakopöen) der Mitgliedstaaten der EU beschrieben ist. Ein solches Verfahren würden die Kläger nicht anwenden. Sie würden lediglich das Eigenblut mit einem homöopathischen Fertigarzneimittel bzw. mit einem Sauerstoff-Ozon-Gemisch vermischen und dabei weder das Blut selbst noch das Eigenblutpräparat einer homöopathischen Technik unterziehen. Da das Transfusionsgesetz dem Gesundheitsschutz auch der spendenden Personen diene, sei die Ausnahmeregelung eng auszulegen. Die Privilegierung der homöopathischen Therapierichtung komme deshalb nur in Betracht, soweit ein im Arzneimittelgesetz anerkanntes Zubereitungsverfahren angewendet wird. Der Auffassung der Kläger, bei einem solchen Begriffsverständnis bleibe kein Anwendungsbereich für die Ausnahmevorschrift, folgte der Senat nicht.

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Eigenbluttherapien war nicht Gegenstand des Verfahrens. Auch hat der Senat nicht entschieden, ob Heilpraktiker für solche Eigenblutprodukte eine Herstellungserlaubnis nach dem Arzneimittelgesetz benötigen und ob sie diese erhalten können.

Der Senat hat die Revision nicht zugelassen. Dagegen können die Kläger Nichtzulassungsbeschwerde einlegen, über die das Bundesverwaltungsgericht entscheidet.

Beim 9. Senat sind drei weitere gleichgelagerte Verfahren anhängig, die erstinstanzlich von den Verwaltungsgerichten Minden und Düsseldorf entschieden worden sind und in denen die Kläger Anträge auf Zulassung der Berufung gestellt haben.
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