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Sterblichkeit von Frühgeborenen senken durch die sogenannte Känguru-Methode

16.06.2021
Sterblichkeit von Frühgeborenen senken durch die sogenannte Känguru-Methode Sterblichkeit von Frühgeborenen senken durch die sogenannte Känguru-Methode AdobeStock © Tobilander #71275789
Ein kontinuierlicher Haut-zu-Haut-Kontakt von Frühgeborenen und ihren Eltern (Känguru-Methode) sofort nach der Entbindung kann die Sterblichkeit von Säuglingen mit einem sehr niedrigen Geburtsgewicht um 25 % senken. Das zeigt eine aktuelle Studie, die in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen durchgeführt wurde. Die Methode könnte damit beitragen, die Neugeborenen-Sterblichkeit in ärmeren Ländern zu senken.


Die Studie wurde von Forschenden des schwedischen Karolinska Instituts initiiert und von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) koordiniert. Sie untersucht erstmals den Einsatz der Känguru-Methode in einem sehr frühen Stadium bei „Frühchen“.

Die Känguru-Methode wurde Ende der 1970er Jahre entwickelt und wurde insbesondere in ärmeren Ländern eingesetzt, um die Sterblichkeit bei Frühgeborenen zu senken. Die Methode beruht darauf, dass eine frühe emotionale Bindung von Mutter/Vater und Kind etabliert wird. Die WHO empfiehlt bisher den Einsatz der Methode, nachdem sich der Zustand des Neugeborenen stabilisiert hat, was in der Praxis bei Säuglingen, die weniger als zwei Kilogramm wiegen, ein mehrtägiges Abwarten bedeutet. Die Methode gilt als sehr effektiv, um die Neugeborenen-Sterblichkeit zu senken – auch in den westlichen Nationen. Die Vorteile basieren auf der Senkung von Infektionszahlen, einer höhere ausschließlichen Stillrate und einer besseren Gewichtszunahme der Neugeborenen.

In der aktuellen Studie haben die Forscher untersucht, ob die Känguru-Methode bei Frühgeborenen auch ohne vorherige Stabilisierung und einem Körpergewicht von unter zwei Kilogramm erfolgreich ist. Die Studie wurde in fünf Schwerpunktkliniken in Ghana, Indien, Malawi, Nigeria und Tansania durchgeführt, die über Inkubatoren für Frühgeborene verfügten. Außerdem wurde das Personal in neonatologischer Grundversorgung geschult und angeleitet, wie sie den sicheren Haut-zu-Haut-Kontakt bei instabilen Säuglingen gewährleisten können.

Insgesamt 3.211 Säuglinge mit einem Geburtsgewicht zwischen 1 kg und 1,8 kg wurden auf zwei Gruppen randomisiert. 1.609 Säuglinge erhielten eine sofortige Känguru-Mutter-Pflege. 1.602 Babys waren in der Kontrollgruppe. Sie wurden zunächst in einem Inkubator konventionell gepflegt. Erst nachdem sich ihr Zustand stabilisiert hatte (durchschnittlich nach 53,6 Stunden), durften auch sie für längere Zeit am Tag auf der Brust der Mutter liegen. Ihr täglicher Mutter-Kind-Hautkontakt betrug während der 6,4 Tage auf der Intensivstation 1,5 Stunden im Vergleich zu 16,9 Stunden Hautkontakt in der Verum-Gruppe.

Neugeborenensterblichkeit sinkt um 25 Prozent

Es zeigte sich, dass der frühe Einsatz der Känguru-Methode (KMC) die Quote der Neugeborenensterblichkeit deutlich senken konnte. Während der ersten 28 Tage diese bei den Babys in der KMC-Gruppe mit sofortigem Körperkontakt bei 12 % (191 von 1.609 Kindern), während sie in der Kontrollgruppe bei 15,7 % (249 von 1.602 Kindern) lag. Das heißt, die frühe Intervention hat das Sterberisiko um 25 % gesenkt, einem von 27 Frühgeborenen wurde durch die frühe KMC das Leben gerettet. Die Zahl der Todesfälle in den ersten 72 Lebensstunden ging von 5,8 % auf 4,6 % (92 versus 72 Todesfälle) zurück.

Originalpublikation

WHO Immediate KMC Study Group*. Immediate “Kangaroo Mother Care” and Survival of Infants with Low Birth Weight. N Engl J Med 2021; 384:2028-2038. DOI: 10.1056/NEJMoa2026486. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2026486
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