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Die WHO und Naturheilkunde – Ein Kommentar von Ralf Dissemond

Die WHO und Naturheilkunde – Ein Kommentar von Ralf Dissemond Die WHO und Naturheilkunde – Ein Kommentar von Ralf Dissemond AdobeStock #48320699 ©Marco2811
Am 27. Mai dieses Jahres verabschiedeten die Mitgliedsstaaten der WHO in Genf die „Traditional Medicine Strategy 2025–2034“, mit der die traditionellen und komplementären Heilverfahren in den nationalen Gesundheitssystemen Berücksichtigung finden und das vorhandene Wissen über indigene Heilverfahren bewahrt und gefördert werden soll. VKHD-Vorstand Ralf Dissemond kommentiert die Strategie für unsere Mitglieder.


Spätestens seit die sogenannte „Gujarat Deklaration“ im August 2023 von den unterzeichnenden Staaten verabschiedet wurde, ist das Interesse der World Health Organization (WHO) an der Naturheilkunde, oder wie es international heißt, „Traditional and Complementary Medicine“, offensichtlich geworden. Bereits zuvor hatte die WHO, in Zusammenarbeit mit der indischen Regierung, das „Globale WHO-Zentrum für Traditionelle Medizin“ in Jamnagar, gegründet. Es handelt sich hierbei um das erste und bisher einzige Büro dieser Art weltweit.

Auch die 2023 veröffentlichten „Benchmarks for Training in Anthroposophic Medicine“ sind mit Unterstützung Indiens entwickelt worden.

Diese kleine Vorgeschichte soll ein wenig auf die jetzt veröffentlichte „Traditional Medicine Strategy 2025-2034“ einstimmen, die am 27. Mai dieses Jahres in Genf von den WHO-Mitgliedsstaaten verabschiedet wurde. Ziel ist es, traditionelle und komplementäre Heilverfahren stärker in den nationalen Gesundheitssystemen zu berücksichtigen. Ebenso soll das vorhandene Wissen über indigene Heilverfahren bewahrt, geschützt und genutzt werden. Die TCIH Coalition (https://www.tcih.org), eine weltweit arbeitende Bewegung, die es sich auf die Fahne geschrieben hat, mit traditionellen, komplementären und integrativen Ansätzen die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen zu verbessern, begrüßt diese Entwicklung sehr. Auch uns als homöopathisch arbeitende Therapeutinnen und Therapeuten kann diese Entwicklung nur Recht sein – wenn wir die Chance nutzen und sie aktiv mitgestalten! In jedem Fall haben zum einen die Homöopathie und zum anderen unser Beruf als Heilpraktiker, eine lange Tradition.

Schaut man sich die kürzlich verabschiedete Strategie an, so stößt man – wie zu erwarten – auf Aussagen, die häufig verwendet werden, wenn es um die Bewertung medizinscher Methoden geht. Da wird oft von der Evidenz gesprochen, ein aus unserer Sicht problematischer Begriff, da viele der heute zur Feststellung der Evidenz angewendeten wissenschaftlichen Verfahren unpassend für die Homöopathie sind.

Natürlich sollen, wenn bestimmte Verfahren in die nationalen Gesundheitssysteme einbezogen werden, die strengsten und besten wissenschaftlichen Verfahren benutzt werden. Das würde also auch bedeuten, dass noch viel Forschungsarbeit geleistet werden muss – nur: Wer bezahlt diese? Da erleichtert es schon etwas, wenn im gleichen Punkt der Strategie erwähnt ist, dass auch Faktoren wir Kosten, Nachhaltigkeit und Akzeptanz bei den Beteiligten eine Rolle spielen sollen. Da können wir schon eher mit der Homöopathie punkten.

Besonders die Nachhaltigkeit, der „One Health“-Aspekt, soll durch die Anwendung der „Traditional Medicine Strategy“ berücksichtigt werden. Mit Nachhaltigkeit ist hier nicht nur die ökologische Nachhaltigkeit gemeint, sondern auch traditionelles medizinisches Wissen, Kultur und Geschichte.

Weitere Punkte aus der Strategie möchte ich an dieser Stelle nur aufzählen.
  • Das Recht auf Gesundheit und Autonomie soll gewährleisten, dass allen Menschen die Gesundheitsdienste und -produkte zur Verfügung stehen.
  • Das Recht indigener Völker, ihre Heilverfahren weiterhin ausüben zu können, mit den dafür erforderlichen Heilpflanzen beispielsweise.
  • Kultur als Bestandteil traditioneller Gesundheitsdienstleistungen.
  • Personenzentrierte Gesundheitsversorgung und Stärkung der Gemeinschaft, vor allem in der primären Gesundheitsversorgung.
  • Nahtlose Verbindung verschiedener Gesundheitsdienstleistungen verschiedener Disziplinen.
  • Gesundheitliche Chancengleichheit. Kein Mensch soll aufgrund irgendeines Umstands in der medizinischen Versorgung zurückgelassen werden.


Ich denke, diesen Punkten stimmen wir alle zu. Die entscheidende Frage ist jetzt, wie sie in die Praxis umgesetzt werden.

Da es bei den vorgenannten Aspekten auch ganz oft um den Austausch mit, und die Aufklärung der Patientinnen und Patienten geht, stimmt mich ein Absatz der Strategie etwas nachdenklich: Der Schutz der Menschen vor Falsch- oder Desinformation. Hier stellt sich mir die Frage, wer festlegt, was Falsch- oder Desinformation ist? Und auch hier ist es wieder existenziell wichtig, dass wir diesen Bereich aktiv über unsere Verbände mitgestalten.

Link zur Originalpublikation: https://www.tcih.org/article/who-member-states-adopt-the-traditional-medicines-strategy-2025-2034-offering-a-new-model-for-maximizing-health-and-well-being/

Ralf Dissemond, 1. Vorsitzender des VKHD
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