Stellungnahme zum GKV-Aus für die Homöopathie
Stellungnahme zum GKV-Aus für die Homöopathie
Der Deutsche Bundestag hat entschieden, dass die Möglichkeit zur freiwilligen Erstattung homöopathischer und anthroposophischer Leistungen im Rahmen von Satzungsleistungen der gesetzlichen Krankenkassen zum 1. Januar 2027 entfällt.
Wir halten diese Entscheidung aus mehreren Gründen für falsch. Sie ist unsolidarisch denjenigen gegenüber, die sich eine selbst finanzierte Behandlung nicht leisten können, was in besonderem Maße wenig begüterte und kinderreiche Familien betreffen dürfte. Sie ist wirtschaftlich unsinnig, weil sie die beabsichtigte Beitragsstabilisierung nicht nur nicht fördert, sondern eher höhere Behandlungskosten verursachen wird. Sie ist wissenschaftlich falsch begründet, weil sie den aktuellen Stand der Forschung nicht berücksichtigt. Sie ignoriert das Recht auf freie Therapiewahl. Sie untergräbt das Fundament eines wissenschaftlichen und medizinischen Pluralismus. Sie widerspricht den im Koalitionsvertrag vereinbarten gesundheitspolitischen Zielsetzungen.
Von Seiten der Homöopathiebefürworter*innen wurden den politischen Entscheidungsträgern diese Argumente bis zuletzt vorgelegt und es wurde in Einzelgesprächen auch Verständnis bis Zustimmung signalisiert. Allein – es änderte sich nichts an der Vorlage zum Gesetz und so kam es, wie es kommen musste.
Bei aller Kritik der der nun getroffenen Entscheidung ist jedoch festzuhalten, dass:
- die fachgerechte homöopathische Behandlung durch Therapeut*innen mit hoher Expertise auch weiterhin sichergestellt ist,
- die homöopathisch arbeitenden Heilpraktiker*innen und Ärzt*innen durch viele gemeinsame Aktivitäten, etwa auf Kundgebungen, Demonstrationen, Diskussionspodien und Fachfortbildungen näher zusammengerückt sind,
- sich auf ähnliche Weise auch Vernetzungen mit Vertreter*innen anderer Verfahren aus dem Bereich der integrativen Gesundheitsversorgung ergeben haben, und
- dass nicht zuletzt gerade deutschsprachige Institutionen und Interessenvertretungen ihre Positionen und Argumente überprüft, aktualisiert und geschärft haben.
Betrachtet man diese Entwicklungen der letzten Jahre mit ein wenig Abstand, kann man ihnen durchaus positive Aspekte abgewinnen. Das mittlerweile kollegiale bis freundschaftliche Verhältnis zwischen ärztlichen und nichtärztlichen Homöopath*innen ist gewachsen, was auch auf die Berufsverbände und Patientenvertreter zutrifft. Gleichzeitig positioniert sich die Homöopathie als ein integrativer Bestandteil der Gesundheitsversorgung – nun eben zunehmend unabhängig von gesetzlichen Sonderstellungen. Die sind letzten Endes für den Erhalt einer Therapie, deren Wissenschaftlichkeit, Effizienz und Akzeptanz außer Frage steht, auch nicht (über)lebensnotwendig. Reagierten Kolleg*innen vor Jahren noch oft emotional und mit mehr oder weniger großem Entsetzen (bis Sprachlosigkeit) auf die oft lauten und teils frechen Vorwürfe der Homöopathiekritiker*innen, können wir uns nun Streitgesprächen oder auch Interviews mit validen Informationen, hoher fachlicher Expertise und entsprechendem Selbstbewusstsein stellen. Hilfreich war dabei auch eine seriöse, ehrliche Auseinandersetzung mit den ernst zu nehmenden Kritikpunkten.
Mit anderen Worten: am Gegenwind der letzten Jahre sind wir durchaus gewachsen. So hatte die permanente Kritik auch ihr Gutes. Dass unsere Argumente zuletzt kein Gehör bei der Politik (und auch in den Medien) fanden, ist freilich ebenso bedauerlich wie irritierend.
Die jüngsten politischen Entwicklungen in Sachen „Homöopathie“ kritisieren wir, wie oben gesagt, aufs Schärfste. Gleichzeitig gehen wir gut gewappnet in kommende Gespräche und Auseinandersetzungen. Wir werden politischen Entscheidungsträgern (und solchen, die es werden wollen) auch weiterhin unsere fachliche Expertise anbieten. Last but not least erhalten wir unser Angebot einer fachgerechten homöopathischen Behandlung selbstverständlich aufrecht.
Das Team vom VKHD


