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Deutschland schneidet bei wissenschaftlich empfohlenen Präventionsmaßnahmen schlecht ab

Deutschland schneidet bei wissenschaftlich empfohlenen Präventionsmaßnahmen schlecht ab Deutschland schneidet bei wissenschaftlich empfohlenen Präventionsmaßnahmen schlecht ab Fotolia #121832460 ©WDnet Studio
Der AOK-Bundesverband und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben erstmals mit dem Public Health Index (PHI) ein umfassendes Ranking zum Umsetzungsstand wissenschaftlich empfohlener Präventionsmaßnahmen veröffentlicht. Deutschland belegt darin den vorletzten Platz der untersuchten Staaten in Nord- und Zentraleuropa.


Der PHI bewertet Maßnahmen in den Handlungsfeldern Tabak, Alkohol, Ernährung und Bewegung. Diese gelten als wesentliche Risikofaktoren für die Entstehung vermeidbarer nicht-übertragbarer Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes oder Adipositas. In der Einzelbetrachtung der vier untersuchten Handlungsfelder landet Deutschland bei Tabak, Alkohol und Ernährung jeweils auf den hinteren Rängen, bei Bewegung im unteren Mittelfeld.

Am besten schneiden Großbritannien, Finnland und Irland ab. Diese Länder erreichen die höchsten Punktzahlen im PHI, dicht gefolgt von Norwegen und Frankreich. Demnach setzten die Spitzenreiter besonders viele der wissenschaftlich empfohlenen Maßnahmen zur Förderung gesunder Lebensweisen um, zum Beispiel Mindeststandards für Schulessen, eine gesundheitsorientierte Besteuerung sowie umfassenden Kinderschutz etwa durch Einschränkungen von Werbung und Verfügbarkeit gesundheitsschädliche Konsumgüter. Schlusslicht bildet der gesamte DACH-Raum mit Deutschland, Österreich und der Schweiz, der insgesamt besonders wenige der wirksamen Präventionsmaßnahmen ergreift.

Die Spitzenreiter zeichnen sich dadurch aus, dass sie Rauchen und Alkoholkonsum möglichst unattraktiv machen. Dazu gehören unter anderem eine Ausweitung rauchfreier Zonen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, höhere Preise, Einschränkungen der zeitlichen und örtlichen Verfügbarkeit sowie umfassende Werbebeschränkungen. Im Bereich Ernährung setzen die führenden Länder auf Maßnahmen, die besonders Kindern und Jugendlichen eine gesunde Auswahl an Speisen und Getränken erleichtern. Dazu zählen Abgaben auf gezuckerte Softdrinks, gesunde Verpflegungsangebote in Schulen und Werbebeschränkungen für ungesunde Produkte. Im Bereich Bewegung ist die Umsetzung von Maßnahmen schwieriger. Hier liegt der Fokus vor allem auf der Schaffung einer bewegungsfreundlichen und kindgerechten Infrastruktur sowie auf Programmen zur Bewegungsförderung in Schulen und am Arbeitsplatz.


DACH-Länder durchweg auf den hinteren Rängen

Auffälligstes Ergebnis ist das schlechte Abschneiden des DACH-Raums. In diesen Ländern werden dem PHI zufolge besonders wenige der wissenschaftlichen Empfehlungen aufgegriffen. Daher schaffen es diese Länder in keinem Handlungsfeld in das obere Mittelfeld und belegen durchweg die hinteren Ränge. Ungenutzte Präventionspotenziale liegen vor allem in Maßnahmen zur Förderung gesunder Ernährung sowie zur Eindämmung des Konsums von Tabak und Alkohol. In Großbritannien, Irland und im skandinavischen Raum ist die Präventionspolitik dagegen stärker an den Empfehlungen der WHO zur Eindämmung nicht-übertragbarer Krankheiten ausgerichtet.

Einige Länder erreichen im Gesamtranking oder in einzelnen Handlungsfeldern gute bis sehr gute Platzierungen, obwohl sie eine vergleichsweise niedrige Lebenserwartung aufweisen, beispielsweise Großbritannien oder Litauen. Das wissenschaftliche Autorenteam weist darauf hin, dass dies kein Widerspruch sei, da dort die hohe Krankheitslast durch chronische Erkrankungen gerade der Anlass für Regierungen gewesen sei, umfassende Maßnahmen zu beschließen.


Autoren kritisieren mangelnden politischen Willen in Deutschland

Die Autor*innen des PHI kritisieren die zögerliche Haltung Deutschlands und den mangelnden politischen Willen zum Umsteuern. Obwohl es für viele der diskutierten Public-Health-Maßnahmen breite gesellschaftliche Mehrheiten gebe, die wissenschaftliche Evidenz für deren Wirksamkeit vorliege und ein hoher Finanzierungsdruck auf den sozialen Sicherungssystemen laste, sei die Verhältnisprävention hierzulande unzureichend und wenig ambitioniert. Sie sprechen sich für eine umfassende Präventionspolitik in Deutschland entlang der WHO-Empfehlungen aus. Da die Steigerung der Produktivität und die Stabilisierung der Kranken- und Pflegeversicherung parteiübergreifend hohe Priorität habe, müsse die Senkung der Krankheitslast stärker adressiert werden. Hier lägen ungenutzte Potenziale in Milliardenhöhe. Die volkswirtschaftlichen Kosten des Tabakkonsums in Deutschland werden auf 97 Milliarden Euro geschätzt, die Kosten von Adipositas und Alkoholkonsum auf rund 63 bzw. 57 Milliarden Euro.


Randbemerkung

Unseres Erachtens umfasst ein patientenzentriertes, auf Prävention und Nachhaltigkeit ausgelegtes Gesundheitssystem alle etablierten und bewährten Therapieverfahren. Selbstverständlich gehört die Homöopathie dazu! Die Politik muss dies entsprechend anerkennen und berücksichtigen. Lesen Sie dazu unseren Blogbeitrag „Prävention in der homöopathischen Praxis“.

Zum Public Health Index: https://www.aok.de/pp/public-health/index

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung des AOK-Bundesverbands und des Deutschen Krebsforschungszentrums vom 4.12.2025
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