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Nachtkerze ist Heilpflanze des Jahres 2026

Nachtkerze ist Heilpflanze des Jahres 2026 Nachtkerze ist Heilpflanze des Jahres 2026 AdobeStock #367723216 ©AngieC
Die Gemeine Nachtkerze ist die Heilpflanze des Jahres 2026. Damit steht eine Pflanze im Fokus, deren Samen essenzielle Fettsäuren enthalten. Die Nachtkerze fasziniert durch ihr Auftreten und ihre vielseitige Verwendung als Delikatesse und Heilpflanze. Vor allem Hautleiden und hormonelle Störungen lassen sich mit Nachtkerzenöl behandeln.


Der NHV Theophrastus zeichnet Oenothera biennis – die Gemeine Nachtkerze – als die Heilpflanze des Jahres 2026 aus. Diese „schöne und familienfreundliche, weil in ihrer Gesamtheit essbare Pflanze“, wie es aus der verantwortlichen Jury heißt, soll damit besonders in Hinblick auf ihr Gesundheits- und Heilpotenzial stärkere Beachtung finden.

Am Tag wird die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) oft nicht wahrgenommen: In ihrem ersten Jahr bildet sie nur eine eng am Boden anliegende Rosette aus länglich-eiförmigen Blättern von dunkelgrüner, teilweise rötlich angelaufener Farbe. Im zweiten Jahr fällt die krautige Pflanze auch kaum ins Auge. Wer allerdings der Nachtkerze einmal in den frühen Abendstunden beim Aufblühen zugesehen hat, ist fasziniert. Innerhalb von Sekunden bricht die Knospe auf und die vier hellgelben Kronblätter entfalten sich. Bis zum vollständigen Erblühen der einzelnen Blüte vergehen nur wenige Minuten. Dieses Naturschauspiel ist in Mitteleuropa einzigartig [1].

Ihre eigentliche Heimat sind die nordwestlichen Gebiete Nordamerikas [2]. Die ersten Bewohner dieser Gegenden nutzten sie auf vielfältige Weise als Nahrungs- aber auch Arzneimittel. Nachweislich im 17. Jahrhundert wird die Gemeine Nachtkerze in Deutschland kultiviert [3]. Schätzte man sie zu Anfang als Zierpflanze, erkannte man später ihren Nutzen als Nahrungsmittel. Die Blüten sind eine angenehm süße Dekoration von Desserts und Salaten. Die jungen Blätter schmecken gedünstet oder als Blattgemüse in Suppen [4], die Samen verfeinern Müslis, Salate und Brote [1]. In weiten Teilen wurde die Nachtkerze Schinkenwurz genannt, weil ihre Pfahlwurzel farblich an diesen erinnert und sie als kräftigende, nahrhafte Speise hoch gelobt wurde.

In den 1980er-Jahren entdeckten Wissenschaftler*innen der Universität Würzburg, dass das aus den Samen der Gemeinen Nachtkerze gewonnene Öl größere Mengen der für den menschlichen Organismus essenziellen und in der Pflanzenwelt eher selten vorkommenden γ-Linolensäure enthält [5]. Zusammen mit der ebenfalls enthaltenen essenziellen Linolsäure ergibt sich daraus eine besondere Zusammensetzung mehrfach ungesättigter Fettsäuren. Diese sogenannten Omega-Fettsäuren sind aufgrund ihrer chemischen Struktur besonders aktiv und stark in Stoffwechselprozesse eingebunden [6].

Bei der Anwendung ist jedoch Achtsamkeit geboten: Als mögliche Nebenwirkungen des Nachtkerzenöls werden gelegentlich Magenbeschwerden sowie selten allergische Reaktionen beschrieben [7].

Die in der Nachtkerzenöl enthaltene γ-Linolensäure spielt eine wichtige Rolle für die Funktion und Regeneration der Haut, weshalb sowohl eine innere als auch äußere Anwendung als sinnvoll angesehen wird. Auch das Gehirn ist für seine gesunde Entwicklung auf diese Fettsäuren angewiesen. Darüber hinaus wird Nachtkerzenöl im naturheilkundlichen Kontext bei Konzentrationsproblemen von Kindern eingesetzt. Aufgrund seiner als hormonregulierend beschriebenen Eigenschaften kann es zudem beruhigend wirken und wird unterstützend während der Menstruation und in den Wechseljahren sowie bei Schlafstörungen verwendet. Als Ausgangsstoff für die Bildung körpereigener Gewebshormone kann γ-Linolensäure schließlich auch Prozesse der Entzündungsregulation im Körper begleiten [8].

Die Europäische Arzneimittelagentur erkennt auf Grundlage langjähriger Anwendungserfahrungen an, dass Nachtkerzenöl innerlich angewendet bei juckender, trockener Haut unterstützend wirken kann. Gleichzeitig kommen wissenschaftliche Untersuchungen zu uneinheitlichen Ergebnissen [9], und viele Einsatzgebiete werden bislang vor allem der Volksmedizin zugeschrieben, da weiterführende Studien fehlen.

Mit der Wahl zur „Heilpflanze des Jahres“ stellt der NHV Theophrastus zum wiederholten Male eine Pflanze in den Fokus, welche im überlieferten Wissen zu den geschätzten, vielseitig einsetzbaren Vertretern ihrer Art gehört, aktuell aber eher als vergessen beziehungsweise umstritten gilt. „Die Nachtkerze gehört leider noch zu den unterschätzten Drogen“, begründete daher der Juryvorsitzende, Heilpraktiker Konrad Jungnickel, das Wahlergebnis.


Anmerkungen zur Rolle von Oenothera biennis in der Homöopathie

Oenothera ist tatsächlich in manchen, überwiegend jüngeren, homöopathischen Arzneimittellehren und Repertorien zu finden. Eine große Bedeutung scheint diese Arznei in der Homöopathie (bislang) aber nicht zu haben. Die meisten Angaben zu den Indikationen für eine homöopathische Anwendung von Oenothera wurden offenbar aus der bekannten phytotherapeutischen Verwendung abgeleitet und übertragen. Eine lege artis durchgeführte Arzneimittelprüfung existiert bislang nicht. Somit fußt die Symptomatik auf klinischen Erfahrungen und wenigen toxikologischen Berichten. Die Arznei scheint vor allem bei Durchfallerkrankungen erfolgreich eingesetzt worden zu sein. (Stefan Reis)


Literatur

  1. Feryal Kosan Genç: Die Nachtkerze (Oenothera biennis) – Mehr als nur eine Wohltat für die Haut, Der Heilpraktiker Juni/2023
  2. Handbuch des Arznei- und Gewürzpflanzenbaus Bd. 5, Hrsg.: Dipl.-Ing. agr. oec. Bernd Hoppe, Eigenverlag Verein für Arznei- und Gewürzpflanzen SALUPLANTA e. V., Bernburg, 2013.
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeine_Nachtkerze vom 06.10.2025
  4. Wolf-Dieter Storl: Bekannte und vergessene Gemüse (Ethnobotanik, Heilkunde und Anwendungen) 3. Auflage, AT Verlag, Aarau/ Schweiz, 2012.
  5. https://www.kneipp.com/kneipp-wissen/inhaltsstoffe/nachtkerzenoel/ vom 23.04.2025
  6. Ruth von Braunschweig: Pflanzenöle 6. Auflage, Stadelmann Verlag, Wiggensbach, 2018.
  7. Catherine Whitlock: Die heilende Kraft der Kräuter (Traditionelle und moderne Heilpflanzen), Librero IBP für die deutsche Ausgabe, Print Company Verlagsgesellschaft m. b. H., Wien, 2025.
  8. Siegfried Bäumler: Heilpflanzen Praxis heute (Porträts, Rezepturen, Anwendungen), Urban & Fischer Verlag, München, 2007.
  9. Christoph Bachmann: Nachtkerzensamenöl bei atopischer Dermatitis – Unterschiedliche Datenlage über Wirksamkeit, Ars Medici (2/2011) bei Rosenfluh Publikationen, https://www.rosenfluh.ch/arsmedici-thema-phytotherapie-2011-02/nachtkerzensamenol-bei-atopischer-dermatitis-2

Quelle: NHV Theophrastus, www.nhv-theophrastus.de
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