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Cannabis-Wirkstoff THC lindert traumabedingte Albträume bei PTBS

Cannabis-Wirkstoff THC lindert traumabedingte Albträume bei PTBS Cannabis-Wirkstoff THC lindert traumabedingte Albträume bei PTBS Fotolia #67594790 © Jag_cz
Albträume können für Menschen mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) zu einer erheblichen Belastung werden und den Schlaf zusätzlich beeinträchtigen. Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben deshalb untersucht, ob der Cannabis-Wirkstoff THC gezielt gegen traumabedingte Albträume eingesetzt werden kann. Die Ergebnisse einer randomisierten, placebokontrollierten Studie geben Anlass zur Hoffnung: Unter Dronabinol gingen die Albträume deutlich zurück.


Albträume zählen zu den belastendsten Symptomen einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Nach schweren traumatischen Erlebnissen – etwa Unfällen, Gewalterfahrungen, Katastrophen oder Kriegserlebnissen – können Betroffene das Geschehen nachts immer wieder intensiv durchleben. Häufig sind Angst vor dem Einschlafen und erheblicher Schlafmangel die Folge. Die bislang eingesetzten Medikamente, wie Antidepressiva oder Blutdrucksenker können die PTBS-Symptome zwar teilweise lindern, gegen die wiederkehrenden Albträume sind sie jedoch häufig nur begrenzt wirksam. Ein Präparat speziell zur Behandlung traumabedingter Albträume ist in Deutschland bisher nicht zugelassen.

Forschende an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Benjamin Franklin der Charité haben deshalb untersucht, ob Dronabinol, ein verschreibungspflichtiges Medikament mit dem Cannabinoid Tetrahydrocannabinol, kurz THC, die traumabedingten Albträume reduzieren kann. Die Ergebnisse der im Fachjournal Nature Medicine veröffentlichten Studie sind vielversprechend: Mehr als die Hälfte der behandelten Patientinnen und Patienten sprach auf die Therapie an, bei mehr als einem Drittel verschwanden die Albträume während des Untersuchungszeitraums vollständig.

THC beeinflusst das körpereigene Endocannabinoid-System, das unter anderem an der Regulation von Schlaf, Stress und der Verarbeitung emotionaler Erinnerungen beteiligt ist. Die Forschenden vermuten, dass THC insbesondere während des REM-Schlafs – jener Schlafphase, in der besonders intensiv geträumt wird – die Traumaktivität und damit verbundene Stressreaktionen abschwächen kann.

Dronabinol im Vergleich mit Placebo

Für die Studie erhielten mehr als 170 Menschen mit PTBS und häufigen, intensiven Albträumen zehn Wochen lang jeden Abend vor dem Schlafengehen entweder das verschreibungspflichtige Medikament Dronabinol, ein direkt aus der Hanfpflanze gewonnenes THC in Form von Tropfen –oder ein identisch aussehendes, ebenfalls nach Cannabis schmeckendes Scheinmedikament als Placebo. Weder die Behandelnden noch die Teilnehmenden wussten, wer welches Präparat erhielt – also, eine sogenannte doppelblinde, placebokontrollierte Studie. Ziel war es herauszufinden, ob sich das Albtraumgeschehen bei PTBS auf diese Weise lindern lässt und ob eine Anwendung auch in diesem Rahmen sicher ist.

Das Ergebnis: Die Albtraumbelastung ging unter Dronabinol deutlich stärker zurück als in der Placebogruppe. Auf einer Skala von null bis acht Punkten verringerte sich die Belastung durchschnittlich um 3,7 Punkte, während sie unter Placebo um 2,2 Punkte sank. Mehr als ein Drittel der mit Dronabinol behandelten Personen berichtete am Ende der zehnwöchigen Studie, überhaupt keine Albträume mehr zu haben. Bei weiteren 21 Prozent hatte sich die Albtraumlast mindestens halbiert. Rund fünf von sechs Teilnehmenden in der Dronabinol-Gruppe nahmen zudem eine deutliche Verbesserung ihres allgemeinen Gesundheitszustands wahr.

Nicht alle PTBS-Symptome werden beeinflusst

Die Wirkung des Cannabinoids beschränkte sich allerdings offenbar vor allem auf die Albträume und den Schlaf. Eine eindeutige Verbesserung der gesamten PTBS-Symptomatik oder begleitender depressiver Beschwerden konnte nicht nachgewiesen werden. Für die Betroffenen kann die Verringerung der Albträume dennoch eine erhebliche Entlastung bedeuten. Werden die nächtlichen Wiederholungen des traumatischen Erlebnisses unterbrochen, kann sich auch die Schlafqualität verbessern.

Schwere Nebenwirkungen wurden in der Studie nicht beobachtet. Allerdings traten unter Dronabinol häufiger leichtere bis mittelschwere Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen oder gesteigerter Appetit auf. Hinweise auf Entzugserscheinungen nach dem Absetzen fanden die Forschenden nicht.

Ob Dronabinol auch über einen längeren Zeitraum wirksam und sicher ist und ob sich bei einer längerfristigen Einnahme ein Gewöhnungseffekt entwickelt, soll nun in weiteren Untersuchungen geklärt werden.

Originalpublikation

Roepke S, Schoofs N, Priebe K et al. Dronabinol for nightmares in post-traumatic stress disorder: a randomized controlled trial. Nat Med 2026 Aug 05. doi: 10.1038/s41591-026-04546-9
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