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Bluthochdruck im hohen Alter: Therapie neu bewerten

Bluthochdruck im hohen Alter: Therapie neu bewerten Bluthochdruck im hohen Alter: Therapie neu bewerten Fotolia #172056527 © Kunstzeug
Bei hochbetagten und gebrechlichen Menschen kann die Behandlung von Bluthochdruck eine besondere Herausforderung darstellen. Was bei jüngeren Patient*innen als sinnvoll gilt, muss im sehr hohen Alter nicht zwangsläufig den gleichen Nutzen bringen. Eine aktuelle französische Studie zeigt, dass unter bestimmten Voraussetzungen eine vorsichtige Reduktion blutdrucksenkender Medikamente möglich sein kann – ohne dass dadurch das Risiko für Tod oder schwere Herz-Kreislauf-Komplikationen steigt.


Bluthochdruck verändert sich mit zunehmendem Alter. Gleichzeitig nehmen Gebrechlichkeit, Multimorbidität und die Empfindlichkeit gegenüber Arzneimittelnebenwirkungen zu. Damit stellt sich zunehmend die Frage, ob eine konsequente Blutdrucksenkung bei hochbetagten Menschen immer den erwarteten Nutzen bringt oder ob eine Anpassung beziehungsweise Reduktion der Medikation unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoller sein kann.

Mit dieser Frage beschäftigt sich der Geriater und Kardiologe Prof. Dr. Athanase Benetos seit vielen Jahren. Im Mittelpunkt seiner Forschung stehen insbesondere hochbetagte und gebrechliche Menschen, die in klinischen Studien lange Zeit nur unzureichend berücksichtigt wurden. Neue Erkenntnisse liefert die multizentrische französische RETREAT-FRAIL-Studie, deren Ergebnisse Ende 2025 im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden. Benetos leitete die Studie und fasst die Ergebnisse zusammen.

Blutdrucktherapie schrittweise reduzieren

An der Studie nahmen mehr als 1.000 Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen teil. Sie wurden unterschiedlichen Behandlungsstrategien zugeordnet. Während eine Gruppe ihre bisherige Blutdruckmedikation unverändert fortführte, wurde die Therapie bei der anderen Gruppe unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle schrittweise reduziert.

Über einen Zeitraum von drei Jahren zeigte sich dabei kein Unterschied hinsichtlich der Sterblichkeit oder schwerer kardiovaskulärer Ereignisse. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass eine kontrollierte Reduktion der Blutdruckmedikation bei ausgewählten hochbetagten Menschen möglich sein kann. Gleichzeitig können durch eine geringere Medikamentenzahl potenzielle Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und die allgemeine Arzneimittelbelastung reduziert werden.

Deprescribing erfordert eine individuelle Entscheidung

Die Studienergebnisse sind jedoch nicht als Empfehlung für ein generelles Absetzen blutdrucksenkender Medikamente zu verstehen. Vielmehr unterstreichen sie die Bedeutung einer regelmäßigen individuellen Überprüfung der Therapie. Dabei sollten neben den Blutdruckwerten auch Gebrechlichkeit, funktioneller Gesundheitszustand, Begleiterkrankungen, bestehende Therapieziele und die Lebenssituation berücksichtigt werden.

Ein hoher Grad an Gebrechlichkeit kann das Risiko für unerwünschte Wirkungen einer intensiven Blutdrucksenkung erhöhen. Auch ein niedriger systolischer Blutdruck von unter 130 mmHg war in der untersuchten Gruppe mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden. In der RETREAT-FRAIL-Studie wurden zudem nur solche Medikamente reduziert, für die bei den jeweiligen Patientinnen und Patienten keine andere kardiovaskuläre Indikation bestand. Die Anpassung erfolgte nach einem festgelegten Protokoll und unter regelmäßiger ärztlicher Überwachung.

Therapieziele an das Alter anpassen

Damit gewinnt das sogenannte Deprescribing, also das kontrollierte Reduzieren oder Absetzen nicht mehr erforderlicher Medikamente, auch in der Blutdrucktherapie an Bedeutung. Voraussetzung ist eine ebenso sorgfältige Abwägung wie bei der Verordnung eines Arzneimittels. Eine Reduktion sollte strukturiert erfolgen und regelmäßig überprüft werden.

Im hohen Alter rückt damit zunehmend eine individualisierte Betrachtung in den Mittelpunkt. Nicht allein die Erreichung bestimmter Blutdruckzielwerte sollte über die Therapie entscheiden. Ebenso wichtig sind die funktionelle Gesundheit, die Gebrechlichkeit, die Lebensqualität und die persönlichen Behandlungsziele.

Die Ergebnisse der RETREAT-FRAIL-Studie liefern somit wichtige Hinweise für eine altersgerechte Blutdrucktherapie. Sie sprechen dafür, bei hochbetagten und gebrechlichen Menschen regelmäßig zu prüfen, ob eine bestehende Medikation weiterhin den erwarteten Nutzen bringt oder ob eine vorsichtige Reduktion unter ärztlicher Kontrolle die bessere Option sein könnte.

Priscus 2.0: potenziell inadäquate Medikation im Alter

Das ältere Menschen häufig an mehreren chronischen Erkrankungen leiden und sie daher oft eine Vielzahl von Medikamenten einnehmen, ist keine Neuigkeit. Auch die steigende Nebenwirkungsrate im Alter ist bekannt. Das gilt auch für einige Antihypertensiva und Betablocker, wie die Liste Priscus 2.0 bereits auflistet. Dabei handelt es sich um eine Liste, auf der „potenziell inadäquate Medikation im Alter“ (PIM) aufgeführt wird, die bei älteren Menschen vermieden werden sollte. Die Priscusliste finden Sie unter dem folgenden Link: https://www.priscus2-0.de/priscus-2.html

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)
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