Neue Studie zur Homöopathie bei Schlafstörungen
Neue Studie zur Homöopathie bei Schlafstörungen
Eine im September 2026 online veröffentliche Beobachtungsstudie untersuchte die Effizienz einer individualisierenden homöopathischen Behandlung im Vergleich mit konventioneller Medikation bei nicht organisch bedingten Schlafstörungen. Die prospektive, multizentrisch aufgesetzte Studie wurde unter realen Praxisbedingungen durchgeführt und ergab unter beiden Behandlungsschemata eine Verbesserung der Symptomatik.
In einer im September 2026 in „Complementary Medicine Research” von Werber et al. veröffentlichten Studie wurde untersucht, inwieweit eine individualisierende homöopathische Behandlung im Vergleich zu einer konventionellen Medikation (z. B. mit Benzodiazepin oder Butyrophenon-Derivaten) bei funktionellen Schlafstörungen helfen könne.
Dazu konnten die Studienleiter*innen insgesamt 84 Proband*innen gewinnen, die aus homöopathischen und konventionellen ärztlichen Praxen rekrutiert wurden. Daraus resultierte eine nicht gleichmäßige Verteilung auf die beiden Studiengruppen: 54 konnten für eine homöopathische, 30 für eine konventionelle Therapie gewonnen werden. Einen dritten (mit Placebo behandelten) oder gar vierten (unbehandelten) Arm gab es nicht.
Dennoch sind die nach 12 Wochen erhobenen Ergebnisse interessant, weil beide Gruppen in etwa gleichem Ausmaß über eine signifikante Verbesserung des Schlafs berichteten. Schwere unerwünschte Arzneiwirkungen blieben in beiden Gruppen aus. Aber die Teilnehmenden aus der „Homöopathie-Gruppe“ gaben hinsichtlich der Behandlungszufriedenheit höhere (bessere) Werte an.
Bedauerlich ist, dass die von der Studienleitung vorgesehenen und ausgegebenen Schlaftagebücher nicht vollständig ausgefüllt wurden, weshalb sie eingeschränkt ausgewertet werden konnten.
Die Studie wurde von der Deutschen Homöopathie-Union (DHU) finanziert. Mehrere Autoren sind bei Dr. Willmar Schwabe beziehungsweise der DHU beschäftigt. Aber erstens ist eine Industriefinanzierung in der Medizin nicht unüblich (wer sonst sollte solche Studien auch finanzieren?) und zweitens werden die Interessenskonflikte in der Publikation offengelegt. Zudem lag die wissenschaftliche Gesamtverantwortung beim Bereich Allgemeinmedizin der Universität des Saarlandes.
Die Ergebnisse sind auf jeden Fall interessant und sollten weitergehende, möglichst unabhängige Studien zur Folge haben.
Wenn sich die sich in der vorliegenden Studie gezeigte Gleichwertigkeit von homöopathischer und konventioneller Medikation unter realen Praxisbedingungen bestätigt, ist die Theorie einer ausschließlich auf dem Placeboeffekt beruhenden Wirkung homöopathischer Präparate nur dann aufrecht zu erhalten, wenn man z. B. den Benzodiazepinen einen ähnlichen Stellenwert attestierte.
Selbstverständlich ließen sich bei einer nachfolgenden Studie (die dann ungleich mehr Teilnehmende und Geldmittel erforderte) noch einige sinnvolle Aspekte mehr untersuchen. So könnte man zur Beurteilung der therapeutischen Effekte etwa die Dauer der Konsultationen oder den Umfang von Beratungen zur Lebensführung und Schlafhygiene innerhalb der Gruppen berücksichtigen. Darüber hinaus könnte man zum Beispiel die „Homöopathiegruppe“ noch einmal aufteilen in eine Verum- und eine Placebogruppe, um etwaige Anamnese- oder Beratungseffekte von den spezifischen Wirkungen der homöopathischen Präparate zu trennen.
Gegebenenfalls könnte man auch Vergleiche zu nicht-medikamentösen Therapien (z. B. Meditation, kognitive Verhaltenstherapie, Hypnose etc.) erwägen.
Jedenfalls ist die hier vorgelegte Studie ein valides Argument für weiterführende, unabhängige, von der öffentlichen Hand finanzierte Forschungsprojekte.
Stefan Reis
Originalpublikation
https://doi.org/10.1159/cmr/acfag012Der Beitrag wurde am 27.10.2026 aktualisiert.





