Komplementärmedizin in Deutschland: Häufig genutzt und vielfach als hilfreich erlebt
Komplementärmedizin in Deutschland: Häufig genutzt und vielfach als hilfreich erlebt
Komplementärmedizin in Deutschland: Häufig genutzt und vielfach als hilfreich erlebt
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Wie häufig nutzen Menschen in Deutschland komplementärmedizinische Verfahren, bei welchen Beschwerden kommen sie zum Einsatz und welchen Nutzen erleben die Anwender*innen? Eine aktuelle Studie untersuchte diese Fragen anhand einer Befragung von mehr als 4.000 Erwachsenen. Die Ergebnisse zeigen, dass Naturheilkunde und Komplementärmedizin bei akuten wie chronischen Beschwerden eine wichtige Rolle spielen. Zugleich verdeutlicht die Untersuchung, warum die subjektiv wahrgenommenen Behandlungserfolge wissenschaftlich eingeordnet werden müssen.
Die Untersuchung von Tido von Schoen-Angerer und Kolleg*innen basiert auf einer Onlinebefragung von 4.065 Erwachsenen (51,7 % weiblich) im Alter von 18 bis 75 Jahren. Die Datenerhebung fand bereits im September und Oktober 2022 statt; veröffentlicht wurde die Auswertung im September 2026. Untersucht wurden Nutzung und wahrgenommener Nutzen traditioneller, komplementärer und integrativer Medizin (TCIM) bei 15 Krankheitskategorien.
Die Ergebnisse zeigen, dass sieben von zehn Befragten bereits Erfahrungen mit mindestens einem Verfahren der Komplementärmedizin gesammelt hatten, 32 % hatten sie innerhalb der letzten zwölf Monate genutzt und 18 % gaben an, zum Befragungszeitpunkt aktuelle Anwender*innen zu sein. Im Durchschnitt berichteten rund 71 % der Anwender*innen über einen subjektiv erlebten Nutzen. Je nach Beschwerdekategorie lag der Anteil zwischen 61,4 und 86,2 %. Mehr als die Hälfte der Befragten (52 %) stand der Komplementärmedizin überwiegend oder sehr positiv gegenüber.
Bei welchen Beschwerden wird Komplementärmedizin besonders häufig eingesetzt?
Die höchste absolute Anzahl an TCIM-Nutzern war bei muskuloskelettalen Schmerzen, Allergien und Kopfschmerzen zu verzeichnen. Die höchsten Nutzungsraten fanden sich bei akuten Atemwegserkrankungen (55,9 %), chronischen Magen-Darm-Beschwerden (51,4 %) und akuten Magen-Darm-Erkrankungen (49,2 %).Besonders hoch war der subjektiv berichtete Nutzen bei Kinderkrankheiten (86,2 %), akuten Magen-Darm-Erkrankungen (83,9 %) und akuten Atemwegserkrankungen (82,4 %). Bei Hauterkrankungen, neurologischen Beschwerden und muskuloskelettalen Schmerzen lagen die Werte niedriger, aber jeweils über 60 %.
Auf die Frage nach einer möglichen künftigen Nutzung von TCIM gaben durchschnittlich 41,9 % der Befragten an, diese auf jeden Fall oder eher in Anspruch nehmen zu wollen. Besonders hoch war die Nutzungsbereitschaft bei Kopfschmerzen (58,4 %), Hauterkrankungen (57,7 %), Allergien (57,5 %), Beschwerden des Bewegungsapparats (55,2 %) und akuten Magen-Darm-Erkrankungen (51,8 %). Am geringsten fiel sie bei Krebserkrankungen (29,0 %), neurologischen Erkrankungen (32,4 %), Schilddrüsenerkrankungen (32,8 %) und Diabetes (32,8 %) aus. Kopfschmerzen, akute Magen-Darm-Erkrankungen und Beschwerden des Bewegungsapparats zählten sowohl bei der bisherigen als auch bei der erwarteten Nutzung zu den fünf häufigsten Anwendungsgebieten.
Was bedeuten die Ergebnisse für Homöopath*innen
Die Ergebnisse unterstreichen die gesellschaftliche Bedeutung komplementärmedizinischer Angebote und die Relevanz der Erfahrungen, die Patient*innen damit verbinden. Für die homöopathische Praxis ist allerdings eine wichtige Einschränkung zu beachten: Die Studie untersucht Komplementärmedizin als übergeordnete Kategorie und liefert keine gesonderten Ergebnisse zur Homöopathie.Auch der berichtete Nutzen ist subjektiv. Die Befragung erfasst die Einschätzung der Teilnehmenden, nicht den Behandlungserfolg anhand objektiver klinischer Endpunkte. Aus dem Studiendesign lassen sich deshalb keine kausalen Aussagen über die Wirksamkeit ableiten.
Abschließen kann man feststellen, dass TCIM weit verbreitet angewendet wird und sowohl bei akuten als auch chronischen Erkrankungen, auch bei Personen mit schlechterem Allgemeinzustand als vorteilhaft bewertet wird. Die Studienautor*innen weisen allerdings darauf hin, dass die Forschungstätigkeit im Bereich TCIM hierzulande in keinem Verhältnis zu ihrer breiten Anwendung steht. Außerdem würden die aktuellen Forschungsschwerpunkte nicht mit den Erkrankungen übereinstimmen, bei denen TCIM am häufigsten zum Einsatz kommt. Sie plädieren entsprechend für eine intensivere wissenschaftliche Prüfung von Wirksamkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit komplementärmedizinischer Verfahren sowie für eine stärkere Ausrichtung der Forschung an den tatsächlichen Nutzungsmustern der Bevölkerung.
Originalpublikation
von Schoen-Angerer T, Wischnewsky M, Jeitler M et al. Treatment choices: insights into disease-specific use and self-perceived benefits of traditional, complementary and integrative medicine in Germany. BMC Complement Med Ther 2026; 26: 282. https://doi.org/10.1186/s12906-026-05496-





