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Kaffeekonsum mit geringerem Rezidivrisiko für venöse Thromboembolien assoziiert

Kaffeekonsum mit geringerem Rezidivrisiko für venöse Thromboembolien assoziiert Kaffeekonsum mit geringerem Rezidivrisiko für venöse Thromboembolien assoziiert AdobeStock #885863255 © vartox
Kann regelmäßiger Kaffeekonsum das Risiko für erneute venöse Thromboembolien senken? Eine norwegische Kohortenstudie untersuchte diesen Zusammenhang bei mehr als 2.000 Personen nach ihrem ersten thromboembolischen Ereignis. Die Ergebnisse weisen auf eine mögliche Assoziation hin, insbesondere nach provozierten Thrombosen.


Der Kaffeekonsum war mit einem geringeren geschätzten Risiko für erneute venöse Thromboembolien (VTE) verbunden. Besonders deutlich zeigte sich dieser Zusammenhang bei Personen, deren erstes Ereignis auf erkennbare Auslöser zurückzuführen war. Das niedrigste geschätzte Rezidivrisiko wiesen Personen auf, die täglich ein bis zwei Tassen Kaffee tranken. Ein höherer Konsum war hingegen nicht mit einem entsprechend größeren Nutzen verbunden. Bei Personen mit einer nicht provozierten VTE ließ sich kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und dem Risiko für ein erneutes Ereignis feststellen.

Zu den venösen Thromboembolien (VTE) gehören die tiefe Venenthrombose (TVT) und die Lungenembolie (LE). Etwa jeder zwölfte Mensch ist im Laufe seines Lebens betroffen; weltweit werden jährlich mehr als zehn Millionen Fälle registriert. Neben dem Akutereignis können wiederkehrende Thrombosen, langfristige Folgeerkrankungen, eine eingeschränkte Lebensqualität und eine erhöhte Sterblichkeit auftreten. Bei rund 30 % der Betroffenen kommt es innerhalb von zehn Jahren zu einem erneuten Ereignis, häufig bereits in den ersten Jahren nach der Erstdiagnose.

Eine langfristige Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten kann das Rezidivrisiko zwar senken, ist jedoch mit einem erhöhten Risiko für schwere Blutungen verbunden. Daher ist es wichtig, weitere beeinflussbare Risikofaktoren zu identifizieren. Frühere Studien deuteten darauf hin, dass Kaffeekonsum mit einem geringeren Risiko für eine erstmalige VTE verbunden sein könnte. Ob Kaffee auch das Risiko für erneute Ereignisse beeinflusst, war bislang jedoch nicht untersucht worden. Dieser Frage gingen nun norwegische Forschende nach.

Die Studie

Für die Untersuchung werteten sie Daten aus zwei norwegischen bevölkerungsbasierten Kohortenstudien aus: der Tromsø Study und der Trøndelag Health Study (HUNT). Eingeschlossen waren 2.071 Personen, bei denen erstmals eine symptomatische, objektiv bestätigte venöse Thromboembolie (VTE) aufgetreten war. Dazu zählen tiefe Venenthrombosen und Lungenembolien. Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 2,8 Jahren wurden 310 erneute VTE-Ereignisse dokumentiert.

Fragebögen erfassten Angaben zum Kaffeekonsum und zu Lebensstilfaktoren. Ergänzend wurden körperliche Untersuchungen durchgeführt und Blutproben analysiert, um weitere Gesundheitsdaten zu erheben. Zusätzlich erhoben die Forschenden weitere Informationen, darunter Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index (BMI), Rauchverhalten, Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs sowie das Ausmaß der körperlichen Aktivität.

Die Teilnehmenden machten vor dem ersten Auftreten einer venösen Thromboembolie (VTE) selbst Angaben zu ihrem Kaffeekonsum. Veränderungen der Trinkgewohnheiten während des Beobachtungszeitraums wurden nicht erfasst. Dabei gaben sie an, wie viele Tassen aufgebrühten und anderen Kaffeearten sie täglich tranken.

Ergebnisse

Der Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und dem Wiederauftreten venöser Thromboembolien (VTE) war nicht linear. Mit steigender Trinkmenge nahm das geschätzte Rezidivrisiko nicht kontinuierlich ab. Bei Personen, die täglich ein bis zwei Tassen Kaffee tranken, lag es nach Berücksichtigung von Alter und Geschlecht um 51 % niedriger als bei Nichtkonsumenten. Auch nach zusätzlicher Anpassung an Body-Mass-Index (BMI), Rauchverhalten und frühere Herz-Kreislauf-Erkrankungen blieb dieser Zusammenhang weitgehend bestehen.

Bei einem Konsum von mehr als zwei Tassen täglich waren die geschätzten Risiken ebenfalls niedriger als bei Nichtkonsumenten. Diese Unterschiede waren jedoch statistisch nicht signifikant. Das niedrigste geschätzte Rezidivrisiko zeigte sich somit bei einem täglichen Konsum von ein bis zwei Tassen, ohne Hinweise auf einen zusätzlichen Nutzen bei höheren Mengen. Auch bei einer gemeinsamen Auswertung aller Kaffeetrinker ergab sich kein statistisch signifikanter Zusammenhang.

In weiteren Analysen untersuchten die Forschenden, ob die Art des ersten thromboembolischen Ereignisses eine Rolle spielte. Bei Personen, deren erstes Ereignis eine tiefe Venenthrombose (TVT) war, ging ein täglicher Konsum von ein bis zwei Tassen Kaffee mit einem geringeren Rezidivrisiko einher. Bei Personen mit einer vorausgegangenen Lungenembolie (LE) war dieser Zusammenhang hingegen statistisch nicht signifikant. Obwohl sich die Schätzwerte zwischen den beiden Gruppen unterschieden, lässt sich daraus nicht ableiten, dass der Zusammenhang bei TVT und LE tatsächlich unterschiedlich ausfällt.

Provozierte und nicht provozierte venöse Thromboembolien

Eine wichtige Rolle spielte die Unterscheidung zwischen provozierten und nicht provozierten venösen Thromboembolien (VTE). Als provoziert gelten Ereignisse, die mit erkennbaren Auslösern wie Operationen, Verletzungen, akuten Erkrankungen, Krebs oder längerer Immobilisierung zusammenhängen.

Bei Personen mit einer provozierten VTE war der Kaffeekonsum mit einem deutlich geringeren geschätzten Risiko für ein erneutes Ereignis verbunden. Bei einem täglichen Konsum von ein bis zwei Tassen lag dieses Risiko um 67 % niedriger als bei Personen, die keinen Kaffee tranken. Auch bei höheren Konsummengen fielen die Risikoschätzungen niedriger aus. Ein eindeutiger Trend zu einem zunehmenden Nutzen mit steigender Trinkmenge ließ sich jedoch nicht erkennen.

Bei Personen mit einer nicht provozierten VTE zeigte sich dagegen kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und dem Rezidivrisiko. Auch bei einem Vergleich aller Kaffeetrinker mit den Nichtkonsumenten ergab sich nach einer provozierten VTE ein geringeres geschätztes Risiko für ein erneutes Ereignis, während sich nach einer nicht provozierten VTE kein eindeutiger Zusammenhang feststellen ließ. Sensitivitätsanalysen bestätigten dieses Ergebnismuster auch dann, wenn der Beginn der Nachbeobachtung um drei beziehungsweise sechs Monate verschoben wurde.

Limitationen

Die Aussagekraft der Ergebnisse ist durch mehrere Faktoren eingeschränkt. Dazu zählen eine geringe Zahl der Nicht-Kaffeetrinker, unvollständige Informationen zur Behandlung mit Antikoagulanzien sowie mögliche weitere Störfaktoren, die nicht berücksichtigt wurden. Da die meisten Studienteilnehmer weiße Norweger waren, ist zudem unklar, inwieweit sich die Ergebnisse auf andere Bevölkerungsgruppen übertragen lassen. Als Beobachtungsstudie kann die Untersuchung keinen ursächlichen Zusammenhang belegen und somit nicht nachweisen, dass Kaffeekonsum erneuten Blutgerinnseln vorbeugt. Die Forschenden halten deshalb weitere Kohortenstudien für erforderlich, um die Ergebnisse zu überprüfen.

Originalpublikation

Olsen MM, Brækkan SK, Hveem K, Grønning K, Hansen J-B. Association between coffee consumption and risk of recurrent venous thromboembolism: Results from the Trøndelag Health Study and Tromsø Study. Research and Practice in Thrombosis and Haemostasis. 2026;10(7). DOI: 10.1016/j.rpth.2026.106966

Quelle: NewsMedical
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